Was vergangen war

 

Teil 1: Lian Ciiriel.

Zeitliche Einordnung:
Wir schreiben das Jahr 6 nach dem ersten Krieg zwischen Orcs und Menschen. Medivh, Wächter von Tirisfal, Sohn von Aegwynn und Nielas Aran öffnete das dunkle Portal und lies unter der Führung von Gul’dan die Orcs nach Azeroth.
Nach Jahren zermürbenden Krieges welcher das Land daraufhin heimsuchte, fiel das Königreich Azeroth schließlich an die Horde und zwang die überlebenden nach Lordaeron zu flüchten. Aus der Not heraus ersuchte Lord Anduin Lothar die Führer der sieben Königreiche sowie die Hochelfen und Zwerge, ein Bündnis gegen die Horde einzugehen. Die Allianz von Lordaeron war gegründet.
Als der zweite Krieg ausbrauch, hatten die Hochelfen wenig Interesse daran, sich in diesen Konflikt hinein ziehen zu lassen. So hatte der letzte doch schon unzähligen das Leben gekostet.
Ihr Schwur jedoch und die Treue zu Lothar, der ihnen in den Trollkriegen beigestanden hatte, veranlasste sie jedoch an dem Bündnis festzuhalten.


Kalt ist es in jener Nacht in Silbermond, als Lian schnellen Schrittes durch die engen Gassen der prächtigen Hauptstadt ihres Volkes eilt. Unter dem Arm trägt sie einen Haufen Gewänder unterschiedlichster Farben und Qualität. Die junge Magierin und Näherin ist spät dran, so sollte sie doch bereits vor Einbruch der Dunkelheit die überarbeiteten Stücke ihrer Lehrerin präsentieren. Eilig hastet sie durch die gewundenen Straßen entlang der weißen Häuser mit den runden roten Dächern, während sich über ihr der blutrote Himmel der Abenddämmerung in ein schwarzes mit silbernen Sternen besticktes Antlitz hüllt.

„Ich hoffe sie tadelt mich nicht wieder für meine Unpünktlichkeit“ denkt sie sich, während sie die Stufen zu einem mit Efeu bedeckten Anwesen, mit dem elfenbeinfarbenen Turm, empor steigt. Völlig außer Atem steht die Elfe vor einer roten, mit goldenen rankenförmigen Mustern verzierten, Eichentür. Ihr blassblondes langes gewelltes Haar ruht ruhig auf ihrer, sich durch das Schnaufen, schnell hebenden und senkenden Brust.
Ein plötzliches Knarren durchdringt die friedvolle Ruhe des Abends als die massive Tür sich öffnet. Eine sehr junge und kleine Hochelfe steht ihr gegenüber. Es muss die Tochter der Lehrerin sein. Verschmitzt lächelt die kleine Elfe Lian an „Tritt ein. Mama wartet schon ungeduldig“ spricht sie kichernd.
Lian tritt, noch immer leicht keuchend, durch die Tür in einen kleinen Saal der durch seinen roten Teppich und die vielen Kerzen an der Wand in ein rötlich goldenes Licht getaucht ist. Eine aus weißem Stein gefertigte Wendeltreppe und einige Sitzgelegenheiten an den Wänden des runden Raumes sind das Einzige, was hier zu entdecken ist.
Von oben surren Stimmen in die kleine Empfangshalle. „Lian bist du es? Schön dass du es geschafft hast. Wir haben dich bereits erwartet“. Die Stimme der Lehrerin klingt sanft und doch liegt ein offensichtlicher Tadel darin. Lian eilt die Stufen hinauf in den Raum aus dem die Stimme kam.
Ebenso wie der kleine Saal ist auch dieser Raum durch seine Gestaltung in ein rötlich goldenes Licht getaucht. Es befinden sich einige, aus dunklem Holz gefertigte Tische darin, auf denen bereits andere Kleider unterschiedlichster Farben und Formen liegen. Zwei andere Hochelfen, LiKis und Kishiadra, ebenfalls Schülerinnen sowie Lian, stehen an einem dieser Tische und begutachten eine aus lila und rotem Samt gefertigte Robe mit leichten silbernen Verzierungen. Ein wahrhaft elegantes Stück!
Myrielra Mysii, die Lehrerin, steht unweit von der Tür entfernt und schaut Lian mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Wir hatten uns darauf geeinigt, dass die Stücke vor Einbruch der Dunkelheit hier sein sollen meine Teure. Was hielt Euch auf?“. Die beiden Elfen am Tisch kichern leise, verstummen aber sofort als Myrielra ihnen einen kurzen Blick zuwirft. „Pünktlichkeit ist ausgesprochen wichtig“, spricht sie während sie auf die Elfe zutritt. Mit einer flüchtigen Handbewegung deutet sie an, dass Lian die Kleider auf einem Tisch in der Ecke platzieren solle. „Wir haben nicht sehr viel Zeit die besten Stücke auszuwählen. Wenn wir vor Morgenrauen einen Großteil des Weges nach Lordaeron geschafft haben wollen.“
Hastig breitet Lian, unter dem prüfenden Blick ihrer Lehrerin, die mitgebrachten Kleider auf dem Tisch aus. Es sind die ersten Stücke, die sie alleine gefertigt hat und die nun dem Königshaus unter Lord Anduin Lothar übergeben werden sollen um auf diese Weise die überlebenden aus Azeroth zu unterstützen.
Sichtlich aufgeregt, beobachtet sie ihre Lehrerin bei der strengen Prüfung der Gewänder. Die meisten von ihnen sind aus rotem und schwarzem Samt gefertigt. Aber auch lilafarbene und goldene Elemente sind zu erkennen, sowie feine Stickereien die ein durchstochenes „L“ zeigen.
Als Lian ein kurzes Lächeln auf Myrielras Gesicht erkennen kann, atmet sie erleichtert auf. Ihre lange und mühsame Arbeit scheint nicht umsonst gewesen zu sein.
„Sehr schöne Stücke. Ihr habt viel gelernt meine Teure. Ich denke wir nehmen sie alle. Sie werden Gefallen finden“, spricht sie kühl und dennoch kommt man nicht umhin einen Hauch von Lob in ihrer Stimme zu vernehmen.
Von draußen ertönt das Wiehern von Pferden und das Rattern von Kutschrädern auf der gepflasterten Straße. „Nun denn“, spricht Myrielra voller Eile. „Sputet euch nun. Wir müssen aufbrechen“.
Einige Stunden vergehen bis die Kleider sorgsam in großen dunklen Eichenkisten deponiert und auf Kutschen geladen worden sind. Die Nacht hat ihre dunkelste Form angenommen und es hat leicht angefangen zu regnen.
Lian wirft sich einen aus Lilafarbenem, festem, schweren Leinen bestehenden Mantel über die Schultern ihrer blassen Haut um nicht zu frieren und steigt zu den anderen in eine der Kutschen.
Eine Peitsche knallt, die weißen Pferde vor den Kutschen geben Laut und traben los und die Kolonne setzt sich in Bewegung.

Dieser Tage ist es kein seltenes Bild, dass auf den Befehl von König Anasterian hin, Truppen von Soldaten und Zauberern, Kutschen beladen mit Kleidern und anderen Gütern Silbermond verlassen um dem Königreich Lordaeron beizustehen.

Als die drei Kutschen die Hauptstadt verlassen haben, schaut Lian gespannt nach draußen, voller Hoffnung in der Dunkelheit etwas erkennen zu können. Lang scheint es her zu sein, dass die Elfe die Mauern der Hauptstadt verlassen hat.
Aber abgesehen von der Schwärze der Nacht, einiger weniger Laternen und Zäune am Wegesrand der schlecht befestigten Straße und vieler schemenhafter Silhouetten von Bäumen in der Dunkelheit, vermag sich ihrem Blick nichts offenbaren.
Sei es dem Schaukeln der Kutsche, dem gleichmäßigen Rattern und Schleifen der schweren mit Eisen beschlagenen Räder oder auch der langsam von ihr abfallenden Anspannung zu verschulden, fallen Lian allmählich die Augen zu und sie sinkt in die weichen Polster der Sitzbank und schläft ein.

Ein lauter Knall reißt die Elfe aus ihren Träumen. Im nächsten Moment fliegen ihr Holzsplitter entgegen und eine große grüne Hand versucht durch das Fenster der Kutsche nach ihr zu greifen. Lian schreit auf und versucht dieser auszuweichen. Von draußen ertönt ein grausames Wirrwarr an Schreien, Brüllen, panisches Wiehern der Pferde und dem Aufschlagen von Stahl auf Stahl.
Der gewaltige Orc beginnt, mit seiner Axt auf die Tür der Kutsche einzuschlagen. Unaufhörlich brüllend und mit einer Wildheit, die die Kutsche stark zum schwanken bringt. Lian windet sich aus einem der anderen Fenster und schlägt hart auf dem Boden auf. Um sie herum toben wilde Kämpfe zwischen Orcs und einigen wenigen Kriegern der Hochelfen, welche die Kutschen begleitet haben. Verängstigt schaut Lian sich um. Die Schreie und das Gebrüll um sie herum werden lauter. Es herrscht ein heilloses Durcheinander und der Geruch von Blut liegt in der Luft.
Plötzlich packt sie eine grobe Hand an den Haaren und zieht sie nach oben. Die Holzwände der Kutsche waren für die gewaltet Axt des Orcs kein Problem und ehe die Elfe realisiert hat was geschehen ist, hält er sie vor sich in die Höhe. Bereit sie mit einem weiteren Hieb zu zerteilen. Starr vor Angst blickt Lian den wilden Orc an. Seine roten blutunterlaufenen Augen funkeln lüstern, von den Lippen tropf gieriger Geifer, die gelben Hauer blitzen im Mondlicht. Eine schreckliche Bestie. Ein furchtbares Brüllen verbunden mit einem Schwall Speichel schleudert er der Elfe entgegen als er ausholt um sie zu richten.
Erstarrt und sich dem Tode gewiss, vergisst Lian ihre Fähigkeiten in der Magie. Jene Fähigkeiten, für die ihre Art vor etwa 7300 Jahren von den Nachtelfen verstoßen worden ist.
Als sie die Augen schließt um ihrem Ende zu begegnen lockert sich der Griff des Orcs und sie fällt zu Boden. Als die Elfe ihren Angreifer fürchterlich schreien hört, blinzelt sie leicht. Vor ihr liegt ein abgeschlagener grüner Arm. Der Orc tobt und schwingt unkontrolliert wie in wilder Raserei seine massive Axt nach einem Elfenkrieger, der dieser mit einer anmutigen Leichtigkeit auszuweichen vermag. Schnell versucht sich Lian unter dem Wagen in Sicherheit zu bringen, als sie auf einmal etwas Feuchtes und Klebriges an ihren Händen bemerkt. Das noch warme Blut rinnt ihr durch die Finger und bedeckt den Saum ihrer Kleidung. Als sie vor sich blickt schreit sie auf. Der Aufgespaltene Körper ihrer Lehrerin liegt, grotesk verdreht, neben einem Rad der Kutsche. Ihre einst so leuchtenden strengen aber auch freundlichen Augen schauen nun voller Angst ins Leere. Lian schüttelt sich vor Schmerz, Verzweiflung und Ekel und schiebt sich an dem toten Körper vorbei ins Freie.
Panisch schaut sie sich um. Die übrigen Hochelfen werden langsam aber sicher von der Horde zusammengetrieben und wie Vieh in Stücke gehackt. Auf dem Boden um die kutschen herum liegen neben toten verstümmelten Körpern aufgebrochenen Kisten. Zwischen ihnen liegt LiKis, eine der jüngeren Schülerinnen Myrielras. In ihren Händen hält sie eines der Kleider die Lian gefertigt hatte. Der Elfe kommen die Tränen. Doch es bleibt keine Zeit zum Trauern. Das Gebrüll wird lauter. Das Klirren von Stahl jedoch leiser. Der Kampf scheint sich dem Ende zuzuwenden.
Kurzerhand flüchtet die Elfe in die nahe gelegenen Wälder. Die Zeit wirkt wie angehalten. Selbst die Klänge des Waldes scheinen abgestellt und ersetzt durch das dumpfe dröhnen der Kriegsschreie. Stolpernd rennt sie zwischen den Bäumen entlang. Immer tiefer in das Herz des Waldes. Vielleicht Sekunden, vielleicht aber auch Stunden vergehen.
Unter den Wurzeln einer alten Eiche, welche zur Hälfte über einen gewaltigen mit Moos überwucherten Stein gewachsen ist, hofft sie schließlich Schutz zu finden. Das Gebrüll der Schlacht, auch wenn es hier nicht mehr zu vernehmen ist, hallt noch immer in ihren Ohren wieder.
Lian rollt sich am Boden zusammen. Tränen laufen ihr über die Wangen. Es riecht nach Erde, kaltem Stein und morschem Holz.
Noch immer dröhnen die Schreie der Sterbenden und das Gebrüll der grünen Bestien in ihren Ohren. Vor ihren Augen flackern die Bilder der sich windenden Elfe auf, die im Leben eins so elegant, im Angesicht des Todes nun so hilflos und voller Furcht langsam erstarken. Schließlich wird es dunkel.

Nach Atem ringend zuckt Lian zusammen als eine Hand ihr das von Blut und Schmutz besudelte Haar aus dem Gesicht streicht. Ein großes spitzohriges Wesen mit langem weißem, zu einem Zopf geflochtenem Haar, kniet über ihr. Umrandet von hellem Licht, sodass seine Gestalt so wie die Bäume von letzter Nacht nur schemenhaft zu erkennen ist.


Teil 2: Gaen Lo’Gal

Zeitliche Einrodnung:
Nachdem die brennende Legion vertrieben wurde und die Hochgeborenen aus den Reihen der Nachtelfen verbannt wurden, kehrte langsam wieder Ruhe in Kalimdor ein.
Es war an Tyrande, die zu jener zur Ersten Priesterin der Elune erhoben wurde, diese Ruhe zu bewahren.
Aus der Not heraus und zum Schutze Kalimdors vor den Gefahren der neuen Welt, sammelte sie Kriegerinnen um sich und gründete die „Wächter-Armee“. Zwar bezog sich der Schutz der Wächter primär auf die Umgebung um den Hyjal und das Eschental, wurde aber aus Gründen der rechtzeitigen Unheils Abwendung erweitert.
So kam es, dass die Untergruppierung „Der unsichtbare Pfad“ gebildet wurde.

Die Aufgabe des Pfades war es, die Hochgeborenen und ihrem Umgang mit der Magie zu beobachten und mögliche Gefahren, welche dem Volk der Elfen bereits in der Vergangenheit zum Verhängnis wurden rechtzeitig zu erkennen um diese im Keim zu ersticken.


Ruhig ruht der aus Eschenholz geformte Bogen des Jägers in seiner Hand. Ein Pfeil eingespannt, darauf wartend mit präziser Genauigkeit sein Ziel zu erlegen. Die Atmung des Jägers ist flach und kaum wahrnehmbar. Seine Finger halten die Sehne als hätten sie nie etwas anderes getan.
Die Augen leicht zusammengekniffen um nicht von dem gleißenden Licht der frühen Abendsonne geblendet zu werden steht Gaen wie angewurzelt dar. Vor ihm auf der Lichtung grast ein einsames Reh. Seine Ohren stehen ruhig. Gewiss, dass keine Gefahr droht. Nur das Rascheln der Blätter im Wind und das Plätschern eines entfernten Bachlaufs sind zu hören.
Das weiße Haar des Elfen weht leicht als seine Finger sich lösen und der Pfeil leise surrend sein Ziel findet.
Noch einen Moment verharrend beobachtet Gaen die Lichtung, bis er schließlich seinen Bogen verstaut und sich aufmacht, das erlegte Tier zu schultern und fort zu tragen.
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages sind längst von der drückenden Schwärze der Nacht aufgesogen worden, als der Elf seine Behausung erreicht. Eine zwischen Steinen und Bäumen versteckte Höhle. Wahrlich eine untypische Behausung für einen Nachtelfen. Doch für Gaen, der schon in seinen sehr jungen Jahren die Wohnkultur der Nachtelfen verlassen hat, ist sie mehr als ausreichend.

Die äußere Kargheit der Behausung ist im inneren längst nicht bemerkbar. Die Wände und der Boden wurden mit Fellen verkleidet, welche dafür sorgen, dass die Wärme des Feuers nicht von dem kalten Fels aufgesogen wird. Einige Regale stehen an der Wand, welche mit den unterschiedlichsten Dingen gefüllt sind. So kann man hier neben einiger abgegriffener Bücher auch komische mechanische Apparaturen erkennen, welche offensichtlich dazu gedacht sind, sie über die Augen zu ziehen. In einem Ständer stehen einige Bögen aber auch ein Schwert und ein Speer sind Teil dieser Sammlung.
Das einzige, was an eine Elfenbehausung erinnert sind der Tisch und die Stühle, welche filigran gearbeitete Efeuranken aufweisen. Am Ende der Höhle lodert ein Feuer über welchem eiserne Haken und Stangen angebracht sind.

Nachdem er sich seines Bogens und Köchers entledigt hat, beginnt der Elf damit das Tier sorgsam zu zerteilen. So ist doch alles daran ein wertvolles und verwendbares Gut.
Einige Zeit vergeht. Die Schwärze der Nacht zeigt sich in ihrer ganzen Vollkommenheit. Lediglich der Mond vermag es einige wenige Strahlen zwischen den dicht bewachsenen Bäumen hindurchzuschicken. Die Geräusche des Waldes, welche am Tag noch aus lebhaftem Vogelgezwitscher bestanden werden nun dominiert von den seltenen tiefen Rufen einiger Eulen in der Umgebung. Die Luft in der Höhle ist angereichert mit dem Duft von verbranntem Holz und gebratenem Fleisch. Sowie dem einiger Kräuter.
Der Jäger liegt erschöpft von den Ereignissen des Tages schlafend auf etwas, das wie ein Feldbett aussieht.

Die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages glitzern auf den mit Tau bedeckten Blättern der Laubbäume und auch das Lied des Waldes hat sich wieder gewandelt. In der Höhle ist das Feuer längst niedergebrannt. Nur leichte Rußschwaden steigen noch ein einigen wenig glimmenden Holzscheiten empor. Das Lager auf dem der Elf schlief ist verlassen.
Kühl ist es an diesem Tag als Gaen durch die Wälder streift. Auf der Straße unweit seines Standpunktes zieht eine Gruppe Bauern vorbei. Geschunden sehen sie aus. Ihre Kleidung hat die besten Jahre längst hinter sich und ihre Gesichter sind gezeichnet von Schmerz und Entbehrungen. Einige klapprige Karren werden von nicht weniger geschundenen Maultieren gezogen. Darauf wenige Kisten mit ein paar letzten Dingen die sie mitnehmen konnten.
Nicht selten beobachtet Gaen dieses Treiben. Überlebende aus dem einst so stolzen Königreich Azeroth, welches durch die Invasion der Orcs heimgesucht wurde.
„Welch grausamer Schrecken muss ihnen wiederfahren sein“ denkt er sich als er hinter einem Baum nahe dem Waldrand in Deckung geht. Darauf bedacht nicht gesehen zu werden.
„Und dennoch so stark ihm Elend dieses Volk“. Diese Gedanken kommen ihm immer häufiger bei dem Anblick dieser Kolonnen.
Sich zeigen darf er nicht. So könnte dies doch die Unternehmung, wegen der er und die seinigen vor Tausenden von Jahren hergeschickt wurden, gefährden. Der Wunsch nach einer Unterhaltung oder wenigstens einem Augenkontakt ist seit langer Zeit jedoch immer stärker geworden. Den Kontakt zu anderen seiner Art hat der in die Jahre gekommene Elf schon lange verloren.
Als der Konvoi vorübergezogen ist setzt Gaen seinen Weg durch die Wälder fort.
Es ist bereits Nachmittag, als sich die Türme und Mauern der Stadt Silbermond vor ihm empor strecken.
„Mal sehen was sich heute für ein Schauspiel bietet“ spricht der Elf zu sich als er hohe Eiche hinaufsteigt, von der er das Haupttor der Stadt gut sehen kann. Die Stadt, auch wenn sie bei weitem weniger stinkt als die der Menschen, wirkt für ihn wie ein brodelnder Kessel. Ein Gewirr von Stimmen und Gerüchen unterschiedlichster Natur liegen in der Luft. Die roten Dächer und die goldenen Verzierungen einiger Bauten funkeln im Licht der Nachmittagssonne. Auf den Mauern patrouillieren Wachen deren scharfe Augen alles um sie herum genauestens beobachten.
Gaen setzt sich auf einen breiten Ast und lehnt sich gegen den Stamm. Aus seiner Tasche kramt er ein Buch, welches er vor kurzem in einer alten verlassenen Hütte gefunden hat. Die Seiten sind vergilbt und der Einband stark zerschlissen. Dennoch kann man ein wenig die Aufschrift „Licht und Schatten – Die Gildengeschichte“ erkennen.
Nach einem weiteren prüfenden Blick über die Stadt versinkt der Elf in die Seiten des Buches.

„Geschichte wird fast immer von den Siegern geschrieben. Meist unter dem heiligen Versprechen der Objektivität, doch das ist schlichtweg gelogen. Niemand hat ein zweites Augenpaar auf der Gegenseite liegen, um wirklich objektiv zu sein. Es wäre sicher falsch, mit dieser Lüge auch hier herumzuwinken.
Unsere Geschichte ist subjektiv wie wir selbst es sind und das soll auch gar nicht anders sein. Unsere Vergangenheit war bei weitem nicht immer sauber, nicht immer ehrenhaft und vor allem ein Sammelsurium von Fehlentscheidungen von katastrophalem Ausmaß.

Entscheidungen, die zum großen Teil dem Mit-Gründungsmitglied, der kleinen Schneiderin Sarenna Meier, anzulasten sind und die auch dazu steht. Vor allem das Wiederholen immer gleicher Fehler kann durchaus nachdenklich stimmen. Dem gegenüber steht lediglich das Argument, ‚wo gearbeitet wird, passieren Missgeschicke und wo viel getan wird, eben viele‘…..“

Die Augen des Elfen huschen geschwind über die Seiten, während seine Lippen geräuschlos die an manchen Stellen fast zur Gänze verwischten Zeilen mitsprechen.
Als das Licht des Tages abnimmt und das Lesen des Buches für den Elfen unmöglich macht, richtet er seinen Blick wieder auf das Tor. Auf den Mauern brennen bereits Fackeln und die Geräusche der Stadt haben sich auf ein Minimum reduziert. „Jeden Tag das gleiche“ murmelt Gaen vor sich hin. Die Routen der Wachen auf den Mauern kann er längst vorhersagen. Auch einige andere Details der Bürger in dem Stadtteil den er Tag für Tag beobachtet. Seit längerem schon war er nicht mehr an anderen Stellen. Ursprünglich wurden diese ebenfalls von Angehörigen seiner Art überwacht und man hat sich hin und wieder getroffen. Dies ist nun aber bereits Jahrzehnte her.
Trotz der Abscheu seines Volkes gegenüber jenen die dort hinter den Mauern Silbermonds leben und sich nun Hochelfen nennen, betrachtet Gaen dieses Volk doch mit immer größer werdender Wehmut. Zwar wurde ihm von klein auf beigebracht, welch Ehrenvolle Aufgabe zum Wohl Elunes und zum Schutz seiner Heimat dies ist, jedoch steigt in ihm immer stärker der Zweifel auf, ob der Preis der Einsamkeit nicht ein zu großes Opfer ist.
Spät ist es, als das Tor der Hauptstadt sich auftut und eine Kolonne von Kutschen, gefolgt von einigen Kriegern in die Welt hinaus lässt.
Der Baum, auf dem Gaen den Tag verbrachte um Beobachtungen einzuholen, ist längst verlassen. Der Jäger ist bereits auf dem Weg durch die Wälder zurück zu seiner Behausung. Es hat angefangen zu regnen. Die Lichter der Stadt liegen bereits weit hinter ihm und der Wald erstreckt sich vor ihm als eine Masse aus schwarzen und weniger schwarzen Fassetten. Seiner Nachtsicht ist es zu verdanken, dass er nicht gegen jeden Ast oder Stein stößt.
Leise säuselt der Wind zwischen den Bäumen und bringt alte und morsche Äste dazu sich ächzend zu biegen. Der Regen raschelt auf den Blättern, erreicht aber nicht den Boden. In der Ferne grasen einige Rehe und ein Rudel Wölfe streift durch das hohe Gras zwischen den Bäumen. Den Ohren des Jägers entgeht nichts. Unter diesen Geräuschen ist jedoch eines, welches er lange nicht gehört hat. Aufhorchend bleibt Gaen stehen und konzentriert sich auf diese eben vernommenen Töne. Eine Masse aus Stampfen, Grunzen und Schellen von eisernen Gegenständen untermalt von tiefem Schnaufen dringt durch die Luft. „Sonderbar“ murmelt Gaen.
Der Elf beschleunigt seine Schritte. Begierig darauf zu erfahren was diese Geräusche Verursacht. Es scheint als sei die Ursache des Gehörten in dieselbe Richtung unterwegs wie er selber. Denn es gelingt ihm nur schwer, diese einzuholen. Dabei rennt er schon fast. In der Ferne blitzt etwas auf. Als Gaen näher heran tritt bemerkt er, dass es sich um ein klobiges grob gearbeitetes und mit altem Leder umwickeltes Messer von der Größe eines kleinen Breitschwerts handelt. Eine Orcwaffe. „Was macht das denn hier?“ fragt er sich. In dieser Gegend hat er noch nie Anzeichen von Orcs entdeckt. „Sonderbar“. Der Elf mustert das Stück. Schwer ist es und unhandlich. So ist der Griff dieser Waffe doch deutlich zu Breit für die Hand eines Elfen oder gar Menschen. Bei genauerem Betrachten entdeckt Gaen auf dem Boden um die Stelle herum an der das Messer lag diverse Fußstapfen. Irritiert über diesen Fund prüft er die Umgebung um sich herum.
Trotz seiner Fähigkeit bei Nacht sehen zu können, ist es schwer die Anzahl derer zu bestimmen, die hier vorbei kamen. Dutzende müssen es gewesen sein. „Was tun Orcs hier oben? Und wieso habe ich sie bisher nicht bemerkt?“ spricht er leise grübelnd zu sich selbst. Die Vorstellung davon, dass er die Anzeichen für einen Orceinfall in dieser Gegend übers ehen haben muss lässt ihn schaudern. Hastig verstaut Gaen die klobige Waffe in seinem Gepäck und nimmt raschen Schrittes die Fährte auf. Die Spur führt ihn immer weiter Richtung Waldrand. Richtung Hauptstraße. Immer wieder hält er inne um den Geräuschen der Horde zu lauschen. Sie scheinen nun um einiges weiter weg zu sein, so vernimmt er ihre Klänge doch nur noch als ein leises vom Wind getragenes Flüstern, welches mittlerweile so verzerrt ist, dass man sich kaum noch sicher sein kann, ob man es überhaupt hört.
Elegant ausweichend, rennt Gaen durch die Wälder. Der Spur unablässig folgend. Der Regen ist stärker geworden und es beginnt allmählich von den Blättern zu tropfen. Der durch die schweren Tritte der Orcs aufgewühlte Boden verformt sich langsam zu einer matschigen Masse. Unter dem wilden Rascheln der vom Regen gepeitschten Blätter hat sich das Lied der Horde deutlich gewandelt. Die vernommenen Klänge von Grunzen, Schnaufen, Klirren und Trampeln sind nun geprägt von Schreien, Brüllen und aufeinandertreffendem Stahl und Eisen.
Der Elf bleibt schlagartig stehen und lauscht in die Ferne. Sein Puls ist ruhig und seine Atmung flach. Die Ohren zucken leicht wie die eines Rehs welches Gefahr wittert. Mit jedem weiteren Schritt werden die Geräusche lauter. Als Gaen den Waldrand erreicht bietet sich ihm ein entsetzliches Schauspiel. Eine Kolonne von Kutschen der Hochelfen umzingelt von dutzenden Orcs. Die großen grünen Bestien schwingen ihre gewaltigen Äxte mit einer solchen Wildheit, dass es den Elfen schwer fällt ihre kämpferischen Fähigkeiten einzusetzen. Gaen beobachtet dies groteske Schauspiel aus Blut und Metall hinter einem Baum verborgen. Während einige Orcs sich scheinbar daran gemacht haben die Kutschen zu plündern und die Kisten durch die Gegend zu schleudern, hacken andere die übrigen Elfen in stück. Der Geruch von warmem Blut liegt in der Luft. Schreie von verletzten und sterbenden zerreißen die Stille der Nacht.
Den Bogen im Anschlag, einen Pfeil eingespannt, wagt sich der Elf aus seinem Versteck. Trotz der Fehde gegen jene, welche er einst seine Brüder und Schwestern nannte, kann er es nicht mit ansehen wie sie von diesen Monstern geschlachtet werden. Als Gaen zum Schuss anlegt, fällt ihm eine junge Hochelfe auf, welche stolpernd in seine Richtung rennt. Hinter ihr einige tobende Grünhäute. Geschwind und mit höchster Präzession schießt Gaen einige Pfeile ab. Als er seinen Bogen sinken lässt und hinter die Deckung des Baumes zurückkehrt, dringen die dumpfen Geräusche auf dem Boden aufschlagender Körper an sein Ohr. Als er aus dem Schatten lugt, ist die Elfe verschwunden. Ihr schweres verängstigtes Atmen und ihre raschen unbeholfenen Schritte sind für ihn jedoch nicht zu überhören. Bedachten Fußes setzt er ihr nach.

Die frühe Morgensonne steht bereits am Himmel als der Jäger die Elfe unter den Wurzeln einer knorrigen alten Eichel ausmacht. Aus dem Schutz eines Baumes heraus beobachtet er die Hochelfe. Dann tritt er vorsichtig an sie heran und kniet neben ihr nieder. Ihre Kleidung ist zerrissen. Ihr Haar, ihr Gesicht und ihre Hände von Dreck und Blut verschmiert. Langsam streckt Gaen seine Hand aus und streicht der Elfe das Haar aus dem Gesicht. Nach Atmen ringend schreckt diese Hoch.


Teil 3: Vertraut verfeindet


„Erschrecke nicht Elfe. Ich werde dir nichts tun“ spricht Gaen mit sanfter Stimme als er von Lian ablässt, seinen Trinkschlauch hervor holt, diesen öffnet und ihr reicht. Schwer atmend und noch immer geblendet von der Sonne blinzelt Lian den Elfen mit dem weißen Zopf erschrocken an. Sie will etwas sagen doch scheint ihre Zunge die Fähigkeit verloren zu haben Worte zu bilden. Lediglich ein undefinierbares Kratzen entweicht ihrer Kehle.
Die letzten Regentropfen der gestrigen Nacht fallen von den Blättern und schillern wie herabfallende silberne Sternschnuppen in der Sonne.
Mit einer flüchtigen Kopfbewegung deutet Gaen auf den Trinkschlauch in seiner Hand „Es handelt sich um gewöhnliches Wasser. Ihr könnt es gefahrlos trinken“. Lian scheint den Worten des Elfen nicht ganz zu vertrauen. So gehört er doch zu jenen, die ihresgleichen vor Tausenden von Jahren aus ihrer damaligen Heimat vertrieben haben. Ihre trockene Kehle jedoch lässt ihr keine andere Wahl als das Angebot des Elfen anzunehmen. Zögerlich greift Lian nach dem Schlauch und führt ihr langsam an ihre Lippen. Den Elfen unablässig beobachtend trinkt sie.
Gaen beobachtet die Hochelfe interessierten und dennoch wachsamen Blickes. So nah war er noch nie einer der ihrigen. Ihre Gestalt ist um einiges kleiner als die seine. Ihre Haut hat einen leichten rosé Farbton. Die Haare ein blasses schillerndes Blond und die Augen einen leicht grünen Schimmer. Alles in allem ist sie wahrhaft eine Augenweide.
Als Lian fertig getrunken hat reicht sie dem Elfen Kommentarlos das Trinkgefäß und funkelt ihn energischen Blickes an.
Gaen schmunzelt über diesen Anflug von Arroganz und verstaut den Schlauch wieder in seinem Gepäck. „Nun Elfe. Ihr habt die Wahl. Ihr könnt in eure Stadt zurückkehren oder mich fürs Erste begleiten“. Der Elf erhebt sich und schultert sein Gepäck. Dann reicht er der Hochelfe eine Hand um ihr auf zu helfen. Diese wird jedoch schlagartig von der Elfe beiseite geschlagen. Langsam und bedacht aber erhobenen Hauptes rappelt sich Lian hoch. Den Nachtelfen dabei keine Sekunde aus den Augen lassend. „Ich ziehe es vor in meine Stadt zurück zu kehren als mit Euch zu gehen.“ Spricht sie leise aber eindringlich. Der Elf hebt die Augenbrauen: „Es ist Eure Entscheidung. Bedenket jedoch, dass sich noch immer Orcs in der Nähe aufhalten können und die Stadt ist weit entfernt.“ Mit diesen Worten wendet Gaen sich ab und geht ein Stück ehe er noch einmal innehält: „Handelt wie Ihr es für richtig haltet. Ich trauere nicht wenn Ihr in den Tod geht. Es wäre nur schade um das vergeudete Wasser und die Pfeile welche ich für Euch opfe rte“.
Lian schaut dem Elfen mit arrogantem und zugleich abschätzendem Blick nach. Sie klopft sich den Dreck von der Kleidung und versucht ihr Haar zu richten. Dabei fällt ihr Blick auf ihre Blutverschmierten Hände. Sofort flackern vor ihren Augen erneut die Bilder der gestrigen Nacht auf und die Geräusche hallen in ihren Ohren. Wehmütig schaut sie in die Richtung aus der sie gekommen sein muss. Lian spürt wie ihr ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Sie ist eine Hochgeborene, der Magie mächtig. Was ist nur passiert, dass sie wie gelähmt war? Tränen laufen ihr über die Wangen und tropfen auf ihre blutverkrusteten Hände. Der leichte Morgenwind weht ihr das Haar ins Gesicht und pustet leicht durch die Risse in ihrer Kleidung. Als sie aufblickt, ist der Elf verschwunden. Lian schaut sich um. Abwägend welcher Weg für sie der richtige sei. Der Nachtelf? Der der sie scheinbar gerettet hat? Der Sie und ihr Volk damals aber auch verband hat? Oder doch der Weg in die Hauptstadt? Wo sie, wenn sie es dort hin schaffen s ollte, erklären müsse wieso nur sie überlebt hat. Was sie zur Verteidigung ihrer Brüder und Schwestern beigetragen hat. Wie sie entkommen ist. Welchen Weg solle sie nehmen?
Während Lian überlegt bewegen sich ihre Füße bereits in eine Richtung. In die des Nachtelfen. „Was denkst du dir nur dabei?“ murmelt sie leise zu sich selbst.
Einige Zeit vergeht und Lian ist langsam am Zweifeln daran, den Elfen in diesen Wäldern wieder zu finden. „Was für eine törichte Idee. Kehre um. Du gehörst nicht zu seiner Art. Du bist Stark. Sie sind schwach…“. Noch während sie in Gedanken mit ihrer Entscheidung ringt, erhebt sich vor ihr auf einem Baum eine Gestalt. Es ist der weißhaarige Elf. „Ich muss sagen, dass mich Eure Entscheidung überrascht. Dies habe ich der Arroganz Eurer Art nicht zugetraut“. Seine Stimme beinhaltet eine Mischung aus Verachtung und Bewunderung.
Lian funkelt ihn an. In ihrem Kopf schwirrt dieselbe Frage umher: „Was tust du hier?“. Als Gaen sich von dem Ast fallen lässt und in seiner gesamten Größe vor der Hochelfe aufbaut, kann man das Knistern der Spannungsgeladenen Luft zwischen beiden fast deutlich wahrnehmen.
Beide starren sich unentwegt in die Augen. Schweigend. Abschätzend. Auf eine Reaktion des Anderen wartend. Äste knarren, Blätter rascheln. Das hohe Gras zwischen den Bäumen wiegt sich leicht im Wind. Ein naher Specht sucht klopfend nach Nahrung. Unentwegt treffen sich ihre Blicke. Langsam bewegen sich Lians Lippen leicht und kaum sichtbar: „Ich danke Euch“ murmelt sie mit leiser Stimme. Die Worte klingen kühl und unfreiwillig gesprochen. Der Elf steht vor ihr. Reaktionslos. Auch Lians Mine verfestigt sich wieder. Schließlich hebt Gaen die Augenbrauen und schaut sie überrascht an. „Ein weiteres Mal dass Ihr mich überrascht. Diese Worte von einer der Eurigen“. Der Elf mustert sie interessiert. Das knapp angedeutete Lächeln, welches kurz seine Mundwinkel umspielen entgeht der Hochelfe nicht. „Ihr scheint dies nicht zu kennen. Bei uns ist es jedoch Brauch bei einer solchen Tat der Person Dank auszusprechen. Auch wenn es eine der Euren ist“ entgegnet sie trocken. Wieder mustert der Elf sie. Sein Gesicht wieder s tarr und ohne deutbare Mimik. „So sei es“ spricht er und wendet sich zum Gehen ab. Lian bleibt stehen und schaut dem Elfen nach. Als sie ihren Blick schließlich von ihm löst und die Umgebung um sich herum betrachtet, fällt ihr auf, dass sie keine Ahnung hat, wo sie sich hier befindet. Aus welcher Richtung kam sie? In welcher Richtung geht es aus dem Wald? Nie war sie in ihren dreihundert Jahren alleine in den Wäldern gewesen. Stets hatte sie nur in Begleitung Ortskundiger Reisen außerhalb der Stadt und Grenzen von Quel’Thalas unternommen. War sie denn überhaupt noch dort? Durch die Ereignisse der Nacht kann sie sich nicht daran erinnern, wie lange sie wohl geschlafen hat. Wie viele Meilen die Kutschen wohl unterwegs waren bevor sie angegriffen wurden. Nein sie muss bereits außerhalb der Grenzen des Königreiches sein. Eine Orchorde wäre den Grenzpatrouillen aufgefallen. Oder? Bei dem Gedanken den Nachtelfen noch einmal um Hilfe zu bitten schaudert es ihr. Sie als stolze Hochelfe? Hochgeborene? War sie nicht besser als die Nachtelfen? „Sei stolz. Du schaffst es alleine!“. Lian schüttelt den Kopf. Die Vorstellung ist einfach zu abwegig. Andererseits, Wie soll sie zurück finden, wenn sie keine Anhaltspunkte hat wo sie überhaupt ist.
Für einen Moment verweilt die Elfe noch an Ort und Stelle, bis sie schließlich den Entschluss fasst, möglichst gerade in die Richtung zurück zu laufen aus der sie vermutete gekommen zu sein.

Der Wind hat zugenommen und pustet frisch zwischen den Bäumen hindurch. Die Sonne hat ihren höchsten Punkt längst überschritten und taucht nun alles in ein warmes rot-goldenes Licht. Lian schreitet langsam zwischen den hohen Tannen und Fichten des Waldes hindurch. Sich unentwegt umschauend, suchend, in der Hoffnung einen Anhaltspunkt zu finden der ihr einen Hinweis darauf gibt, wo sie sein könnte. Es wird zunehmend dunkler. Ist sie überhaupt noch in die richtige Richtung unterwegs? War sie es überhaupt jemals? Als sie kaum noch etwas sehen kann, streckt Lian ihre Hand aus. Die Handfläche nach oben und murmelt etwas. Als sie die Worte ausgesprochen hat, beginnt ihre Handfläche zu glühen und die Farbe von Glut anzunehmen. Kurz darauf flackert eine kleine Flamme, die den Anschein hat über ihrer Hand zu schweben auf. Das Feuer erhellt die Umgebung um die Elfe herum. Lian schaut sich um. Trotz des nun flackernden Kegels um sie herum ist es schwer einen genauen Standpunkt aus zu machen. In unmittelbarer Nähe knac kt etwas. Ihre Ohren zucken und sie hält inne. Das knacken wird lauter. Ein Heulen ist zu hören. Erst von einer Seite dann von mehreren. Erschrocken entfacht Lian aus dem zündelnden Feuerchen in ihrer Hand eine große Flamme. Um sie herum stehen Wölfe. Ihre Augen funkeln in den Flammen. Ihre verzerrten Lechzen bringen die blitzenden, scharfen Reißzähne zum Vorschein. Ein dumpfes, beängstigendes Knurren ist zu hören. In geduckter Haltung, sie unentwegt anstarrend bewegen sie die schwarzen Bestien auf sie zu. Bereit jeden Augenblick zum Sprung anzusetzen. Die Elfe dreht sich panisch hin und her. Das Feuer in ihrer Hand speit funken die knisternd auf ihrem Weg zum Boden verglimmen. Als der erste zum Sprung ansetzt schleudert Lian ihm einen Feuerball entgegen. Der Wolf geht vor Schmerz heulend zu Boden. Es riecht nach verschmortem Fell und verbranntem Fleisch. Das knurren der anderen wandelt sich zu einem entsetzlichen Fauchen. Blitzschnell umkreisen sie die Elfe, die panisch ihre Feuerbälle umher schleudert. Al s ein gewaltiger Wolf hinter ihr zum Sprung ansetzt wirbelt sie herum. Ehe die Elfe reagieren kann, reißt es den Wolf zu Boden. Angsterfüllten Blickes zuckt er noch einige Male ehe der Pfeil in seiner Seite ihm das Leben vollständig aussaugt.
Ehe Lian registrieren kann was gerade passiert ist, zischen weitere Pfeile an ihr vorbei und treffen mit tödlicher Präsession einige weitere Wölfe. Überrascht und zugleich erschrocken, erstarrt die Hochelfe bei dem Anblick dieses Schauspiels. Plötzlich vernimmt sie einen schneidenden Schmerz und geht schreiend zu Boden. Einer der Wölfe hat es geschafft ihren Rücken mit eine Klaue zu erwischen. Sich krümmend vor Schmerz spürt Lian wie ihr etwas Warmes den Rücken hinunterläuft. Zwischen den Fetzen ihres Gewandes zeichnet sich deutlich eine tiefe klaffende Wunde ab. Auf allen vieren kauernd schnauft die Elfe ehe ihr schwarz vor Augen wird und sie benommen zwischen den leblosen Körpern der Wölfe zu Boden geht.

Ein entsetzlicher Schmerz reißt die Elfe aus ihrem Schlaf. Instinktiv versucht sie nach ihrer Wunde zu tasten. Dabei fällt ihr auf, dass sie keine Kleidung trägt. Blinzelnd und mit glasigem Blick schaut sie sich um. Sie liegt in einem mit Fellen übersäten Bett. Ein Feuer prasselt in einem Kamin und lässt alles in einem warmen Licht erstrahlen. Viel erkennen kann Lian nicht. Die Umgebung scheint immer wieder zu verschwimmen. Als wolle sie sich ihrem Blick nicht offenbaren. Ihr Kopf und ihre Glieder fühlen sich schwer an. Ihre Kehle trocken. Fast bewegungsunfähig liegt sie da, als ein schwerer Körper neben ihr auf die Felle sinkt. Fast reaktionslos nimmt die Elfe eine Hand an ihrem Kopf wahr die diesen etwas anzuheben versucht. Im nächsten Moment berührt etwas Ledernes ihre Lippen und einige Tropfen Wasser laufen ihr entgegen. „Es handelt sich wieder nur um Wasser“. Die tiefe ruhige Stimme kommt ihr vertraut vor. Während sie das kühle Nass mit kleinen Schlückchen in sich aufnimmt versucht sie ein möglichst kl ares Bild von dem, der da neben ihr sitzt zu bekommen. Der weißhaarige Elf schaut sie mit ausdrucksloser Mine an, ehe er ihren Kopf wieder auf die Felle legt und sich erhebt. So lange es ihre Augen ermöglichen verfolgt Lian die Bewegungen des Elfen ehe das Bild sich zu sehr verzerrt und sich ihrem Blick entzieht.


Teil 4: Unterschiedlich gleiche Gene


Das massive Beil mit dem gewundenen Holzgriff und der scharfen Schneide zischt durch die Luft und spaltet zielsicher, mit einem dumpfen krachen, den Holzpflock entzweit. Die Geräusche hallen zwischen den Bäumen wieder. Seit einigen Stunden geht es jetzt nun schon. Der weißhaarige Elf Gaen steht ruhig atmend zwischen einem Berg aus zerborstenem Holz. Seine Brust und Rücken glänzen vor Schweiß und seine Haut dampft in der Sonne.
Kalt ist es geworden. Trotz der Sonnenstrahlen die ihren Weg zwischen den Bäumen hindurch auf die Erde finden. Frischer Frost liegt auf den Ästen und den Wiesen. Seine Kristalle glitzern als das Licht darauf fällt. Viele der Bäume in der Umgebung haben damit begonnen ihr Sommerkleid abzulegen.
Einige Wochen müssen vergangen sein, seit Gaen auf die Hochelfe Lian gestoßen ist und sie hier her in seine Behausung gebracht hat um sie von ihren Wunden zu heilen. Trotz anfänglicher Differenzen und der noch immer herrschenden gegenseitigen Ablehnung beider Lebenskulturen, hat sich eine Basis von Respekt, möglicherweise mit einem Hauch Zuneigung, zwischen beiden entwickelt.
Als der Elf seine Axt sinken lässt und sich zufrieden den Schweiß von der Stirn wischt, tritt Lian aus der Höhle hinter ihm. Sie ist gehüllt in eine dicke, aus Fellen und Leder bestehende Hose und Brustummantelung. Zwischen den Fellen lugt gerade so ihr Kopf heraus. Das blassblonde Haar ist zu einem langen züchtigen Zopf zusammengebunden. Derselben Frisur, welche der weißhaarige Elfe ebenfalls trägt. Bedachten Schrittes tritt sie an das Holzlager heran und sammelt, sich vorsichtig bückend, einige Scheite auf um sie hinein zu tragen.
„Lass liegen Elfe“ spricht Gaen ruhig und schaut sie auffordernd an. „Deine Verletzungen mögen sich gebessert haben, dennoch solltest du dich schonen, bis du wieder ganz bei Kräften bist“. Ihre Blicke treffen sich. Lian hebt scheinbar überrascht über diesen Anflug von Besorgnis des Elfen die Augenbrauen. „Es wäre schade um die Kräuter die ich für dich aufbrauchte“ fügt Gaen hastig hinzu. Ein leichtes Grinsen kann er sich hierbei jedoch nicht verkneifen.
„Ihr habt mir das Leben gerettet, zwei Mal, habt mich gesund gepflegt und mir Essen gegeben. Lasst mich Euch danken, indem ich wenigstens einige der Holzscheite hineintrage“ spricht sie kühl und bestimmend. Gaen mustert sie einen Augenblick, der Stolz der Elfe, welchen sie seit sie sich begegnet sind unentwegt versucht aufrecht zu erhalten, imponiert ihn. Mit einer zustimmenden Geste tritt er beiseite um noch mehr Holzstücke heranzuholen, welche es zu zerteilen gilt.

Es ist längst dunkel als Lian die letzten Scheite ordentlich an der Wand neben der Feuerstelle aufgestapelt hat. Ihr Rücken schmerzt. Am liebsten würde sie sich hinlegen. Doch die Blöße will sie sich vor dem Nachtelfen nicht geben. Zu sehr ist sie auf die Stärke und den Stolz ihres edlen Volkes bedacht.
Als Gaen die Behausung betritt, riecht es bereits nach Essen. Ein leichter Duft von Gewürzen, Fleisch und verbranntem Holz durchzieht die Höhle. Als er die Axt beiseite stellt und sich mit etwas klarem Wasser aus einer Schale den Schweiß von den Muskeln wäscht, entgeht ihm nicht, dass Lian in beobachtet. Kommentarlos setzt er sich neben sie vor das Feuer um sich aufzuwärmen. Seine nasse Haut glänzt in dem Licht des tanzenden Feuers. Lian rührt unterdessen in dem eisernen Topf der an einem der Haken über dem Feuer hängt. Die Nähe des Elfen löst bei ihr ein Gefühl von Unbehagen und Neugier aus. Darauf bedacht sich nichts anmerken zu lassen, versucht sie in den richtigen Momenten einen Blick auf ihn zu erhaschen. Auf seine muskulöse Brust, die starken Arme, den flachen steinharten Bauch. Als sich ihre Blicke begegnen läuft sie rot an und wendet sich rasch wieder dem Eintopf zu. Ein leichtes Kribbeln durchzieht ihren Körper. Eine Mischung aus Erregung und Scham. Lian schüttelt den Kopf. Diese Gefühle bereiten ihr Unbehagen. Vor allem, dass der Elf neben ihr weiterhin ausdruckslos in die Flammen starrt, verunsichert sie. „Warum reagiert er nicht?“ fragt sie sich, während sie versucht sich wieder auf das Blubbern des Kesselinhaltes zu konzentrieren. Minuten vergehen. Geradeausstarrend sitzen Lian und Gaen nebeneinander. Kein Wort wechselnd.
„Ich denke es ist fertig“ murmelt der Elf schließlich, was Lian aus ihren Gedanken reißt. Mit einem prüfenden Blick in den Topf nickt sie zustimmend „Ja…“. Die Worte kommen dünn und leicht piepsig aus ihr heraus. Gaen steht auf, dabei berührt er sie am Arm. Sofort schießt es durch sie hindurch wie ein Blitzschlag. Lian spürt wie sie Gänsehaut bekommt. Eine Eigenschaft, die ihre Haut nicht einmal im tiefsten Winter zu zeigen vermag.
Als sie sich gefangen hat, richtet sie sich auf und versucht den schweren Kessel von dem Haken zu holen. Dies gelingt ihr mehr schlecht als recht, da ihr Rücken nach dem Holz schleppen nun doch mehr Probleme bereitet als sie gedacht hat. Bei dem Versuch diesen anzuheben, schieben sich die Arme Gaens an ihr vorbei und ergreifen den Griff des Kessels. Er steht so nah hinter ihr, dass sie seinen Duft riechen kann und seinen Atem in ihrem Nacken spürt. „Was tut er da nur?“ fragt sie sich. Lians Gedanken überschlagen sich. Diese Gefühle hatte sie lange nicht und sicher noch niemals einem der Seinen gegenüber. „Ihr solltet Euch schon Elfe. Das Schleppen der Holzscheite hat Euch sicher alle Kraft gekostet“. So höflich und gutherzig seine Worte auch gemeint waren, so haben sie doch den Beigeschmack von Schwäche mit der er sie belegt. „Erzählt mir nicht wo die Grenzen meiner Kraft liegen Elf!“ entgegnet sie abwehrend, in der Hoffnung wieder Herrin über ihre Situation zu werden. Gaen scheint die Bemühungen der Elfe z u erkennen und entgegnet „Es ist nichts schändlich daran sich die eigene körperlichen Grenzen einzugestehen. Die Einsicht über ein Unvermögen und dieses auch zuzugeben bedarf ebenso viel Stärke und Weisheit wie der Einsatz dieser“. Zum ersten Mal seit ihrer Begegnung schenkt er ihr ein offenes und herzliches Lächeln. Lian merkt, wie unter diesem ihre Anspannung und ihr Wunsch sich stark und unantastbar zu zeigen von ihr abfallen. Mit einem kurzen Kopfnicken gewährt sie dem Elfen ihr zu helfen.

Schweigend sitzen beide voreinander. Unentwegt ihr Essen zu sich nehmend. Selbst in dieser Höhle scheinen Förmlichkeiten des Essens nicht auszubleiben. „Ein guter Eintopf ist dies“ murmelt der Elf. „Allerdings fehlt mir jedes Mal der Mondbeerensaft“. Er grinst sie an, woraufhin sie nicht anders kann als zurück zu grinsen.

Als das der Kessel geleert und die Schalen abgeräumt sind, setzt sich Gaen wieder vor das Feuer und starrt in die Flammen. Lian steht am Tisch und beobachtet ihn. Als er sich ausstreckt und es sich auf dem Fell vor dem Feuer gemütlich macht zieht es sie zu ihm. Vorsichtig lässt sie sich neben ihm nieder und schaut in die Flammen. „Sehr warm ist es hier“. Mit diesen Worten streift sie ihre Robe ab und lässt sich neben dem Elfen fallen. „Was tust du hier?“ schießt es ihr durch den Kopf als sie sich der Situation bewusst wird, dass sie außer einem Slip nichts weiter an hat. „Zieh dich sofort wieder an. Das ist albern!“. Ihre Gedanken überschlagen sich und sie verschränkt die Arme vor ihren entblößten Brüsten. Vorsichtig erhascht sie einen Blick auf den Elfen. Dieser schaut unentwegt zu ihr rüber. Sein Blick wandert über jede Faser ihres Körpers. Neugierig, lüstern und dennoch ernst. „Verzeiht. Ich wollte nicht…“ murmelt Lian, ehe sie blitzschnell ihre Lippen auf die seinen presst. Überrascht von ihrer Tat und mit hochrotem Kopf löst sie sich von ihm und springt auf. „Es tut mir leid!“ ruft sie etwas zu laut und greift nach ihrer Robe. Die Hände des Elfen waren jedoch schneller und er zieht diese weg und legt sie hinter sich ab. Im nächsten Augenblick richtet Gaen sich vor ihr auf, packt sie mit seinen großen Händen am Kopf und zieht sie an sich heran.
Seine Zunge findet den Weg in ihren Mund und streichelt sie sanft und dennoch beherrschend. Lian spürt wie ihre Knie weich werden und sie klammert sich an dem Elfen fest. Ihre Hände wandern über seinen Rücken. Jeden Muskelstrang, jedes Stück Haut will sie berühren. Das Kribbeln in ihr wird stärker.
Durch die Hände der Elfe, die seinen Rücken erkunden angespornt, zieht Gaen ihr an den Haaren den Kopf in den Nacken und widmet sich ihrem Hals. Den betörenden Geruch der Elfe in sich aufnehmend. Sein Blut pulsiert und findet den Weg in seine Lenden. Seine andere Hand wandert über ihren Bauch und umschließt ihre Brüste. Weich und klein sind sie. Gerade groß genug um sie zu umhüllen. Ihre Nippel strecken sich ihm entgegen, als wollen sie ihn einladen. Unter den Berührungen des Elfen stöhnt sie auf. Ihre Atmung wird hektischer. Kurz hält er inne um sie ihn ihrer Erregtheit zu bewundern. Lians lüsterne große Augen schauen ihn unentwegt an. Neugierig darauf wartend, was er mit ihr machen wird. Vorsichtig löst sie sich aus seinem Griff und bedeckt seine muskulöse Brust mit Küssen und knabbert an seinen Nippeln. Das leichte Stöhnen des Elfen erregt sie. Ihre Hände wandern von seinem Rücken nach vorne in seine Shorts und tasten nach seiner Männlichkeit. Vorsichtig streicht sie darüber. Die Augen des Elfen ruhen au f ihr. Glänzend vor Begierde.
Im nächsten Augenblick packt er sie unter den Armen und hebt sie hoch. Lian schlingt die Beine um die Hüften des Elfen. Ihr Schritt zuckt und wird nass. Ihre Phantasien überschlagen sich. Laut stöhnt sie auf als er ihren Slip beiseite reißt und in sie eindringt. Es fühlt sich wundervoll an. Mit gleichmäßigen, starken Stößen dringt Gaen immer wieder in sie ein. Die Welt um sie herum verschwindet. Das Knistern des Feuers wird nun mehr übertönt durch das lustvolle Stöhnen der beiden.
Lian drückt ihr Gesicht gegen den Hals des Elfen und bedeckt diesen mit Küssen. Ihre Brüste streifen unentwegt über die seine. Urplötzlich zieht der Elf sich aus ihr zurück und lässt sie auf die Beine. Ehe sie sich versieht dreht er sie um und drückt bestimmend ihren Oberkörper nach unten. Lian schreit auf als er mit der Wildheit eines Tiers von hinten in sie eindringt. Grob und schonungslos. Seine Kräftigen Hände halten sie an der Hüfte und im Nacken. Kein Entkommen. Unentwegt stößt er in sie hinein. Das zucken zwischen ihren Beinen wird stärker, ihre Knie werden weicher und scheinen ihr den Halt verweigern zu wollen. Immer wieder stößt er sie und klatscht mit seiner Hüfte gegen ihren Po. Als das Zucken in ihr zu stark wird spannt sie sich an. Bereit für den Höhepunkt. Als Gaen dies spürt lässt er ruckartig von ihr ab und zieh sich aus ihr zurück. „Ich will nicht dass Ihr kommt“ flüstert der Elf ihr ins Ohr ehe er sie auf den Arm nimmt und zu seinem Bett herüber trägt. Frustriert über das Ausbleiben des si ch anbahnenden Orgasmus gibt Lian ihm eine Ohrfeige. Es knallt ordentlich und Gaen schaut sie verwirrt an. Seine Verwirrung nutzend stößt sie ihn aufs Bett und schwingt sich auf seinen Schritt. Als sie sich auf ihm niederlässt zieht sie scharf die Luft ein. Stattlich ist er bestückt.
Langsam kreisend bewegt sie ihre Hüften und stützt sich dabei auf seinem Bauch ab. Gaen fixiert sie mit seinem Blick. Seine Hände umklammern ihre Schenkel und ziehen sie auseinander um den Blick auf ihren Schritt frei zu geben. Die Vorstellung sich offen vor ihm zu präsentieren erregt Lian umso mehr und sie bewegt sich schneller auf und ab. Als das Kribbeln in ihrer Spalte seinen Höhepunkt erreicht verlangsamt sie ihr Tempo. Doch wieder unterbricht der Elf dies und dreht sich mit ihr, sodass sie auf einmal unter ihm liegt. „Was zum…“ keucht sie, als Gaen gehässig grinsend in sie eindringt und kräftig stößt. Während die eine Hand ihre Arme fixiert, umspielen die Finger der anderen ihre Klitoris und bringen sie schließlich zum Orgasmus.
Das intensive Gefühl es nun endlich herbeigeführten Höhepunktes schießt durch sie hindurch, wie ein Blitzschlag. Ein Blitzschlag gefolgt von mehrmaligem Donnergrollen. Der Körper der Elfe bebt und ihr Stöhnen gleicht eher einem Schrei. Sehr viel Zeit ist vergangen, seit sie dies zuletzt gefühlt hat und nun kommt es ihr vor als würde sie zerrissen. Von Lust und unendlichem Verlangen.
Windend versucht sie sich aus dem festen Griff des Elfen zu befreien. Vergeblich. Unermüdlich umspielt Gaen weiter ihren Schritt während sein pulsierendes Gemächt in sie eindringt. Gereizt durch den vorangegangen Orgasmus dauert es nicht lange, bis wieder dasselbe Gefühl, nur unendlich viel stärker durch den Körper der Elfe schießt. Ihr Körper verkrampft sich, ihre Kräfte scheinen aus ihr heraus zu fließen. Alles dreht sich vor ihren Augen und sie bekommt kaum mit, wie der Elf sich stöhnend und keuchen in ihr ergießt.
Als er sich zurückzieht, spürt Lian wie es aus ihr heraus läuft. Ein erregendes Gefühl. Doch kann sie dies nicht lange genießen, da die Anstrengungen des Tages und der Akt mit dem Elfen ihren Tribut einfordern und sie ins Land der Träume schicken.

Monate später…

Der Wind rauscht durch die Blätter, Wasser plätschert in einem kleinen Bachlauf ganz in der Nähe. Frösche quaken am Ufer. Das Lied zahlloser Vögel liegt in der Luft, die in der Umgebung ihre Nester gebaut haben. Die Luft ist warm und die Sonne scheint. Nur eines durchschlägt Besinnlichkeit dieses Tages. Geschrei dringt aus der Höhle des Elfen. Gefolgt von wildem Schnaufen und Keuchen.
Mit aufgestellten Beinen liegt die Elfe Lian auf dem Bett. Zwischen ihren Beinen kniet Gaen mit besorgtem Blick und redet auf sie ein „Noch ein letztes Mal… Dann hast du es geschafft!“. Das Geschrei der Elfe wird immer lauter. Krampfhaft klammert sie sich an den Fellen des Bettes fest. Ihr Kopf vor Anstrengung tief rot und die Adern an ihren Schläfen pulsieren. Plötzlich wird das Geschrei durchbrochen von einem hohen quietschig klingenden Heulen. Der weißhaarige Elf erhebt sich. In seinem Arm hält er kein kleines blasshäutiges Wesen mit langen spitzen Ohren und leicht blondem Flaum. Die leuchtenden grünlich schillernden Augen schauen den Elfen unentwegt an.
Gaen mustert das Neugeborene und wischt vorsichtig das Blut und den Schleim von seinem kleinen Körper. „Es ist ein Mädchen“ murmelt er. Den Blick unentwegt auf das Geschöpf in seinem Arm gerichtet.
Lian, die benommen von den Anstrengungen der Geburt erschöpft und schweißgebadet auf die Felle gefallen ist, richtet sich etwas auf um einen Blick auf das Kind zu erhaschen. Dabei fällt ihr der besorgte Blick des Elfen auf. „Was ist los? Geht es ihr nicht gut?“ spricht sie kraftlos, verunsichert und mit etwas ängstlichem Tonfall. Gaen schüttelt den Kopf „Es geht ihr gut. Es ist nur“ er scheint nicht recht zu wissen was er sagen soll „Sie sieht anders aus“. Die Worte des Elfen verwirren Lian und sie fragt sofort „Was meinst du? Sieht sie nicht aus wie wir?“. Besorgt versucht sie sich aufzurichten um um das Kind besser sehen zu können. „Sie sieht aus wie wir… Wie wir beide... Aber weder wie eine Hochelfe noch wie eine Nachtelfe…“ Gaen scheint sich selber nicht ganz klar darüber zu sein was er da von sich gibt.
Seine Tochter? Ein Mischling? Wahrlich hätte er sich dies in seinem langen Leben nicht vorstellen können. Kopfschüttelnd überreicht er das Baby seiner Mutter und lässt sich neben beiden nieder.
Lian begutachtet ihre Tochter und streicht ihr mit dem Finger durchs Gesicht. Der kleinen scheint dies zu gefallen, denn sie quietscht vergnügt und lässt dabei ihre winzigen Reißzähne aufblitzen.
„Ich möchte sie bei dem Namen rufen, bei dem ich gerufen werde und bei dem bereits meine Mutter gerufen wird.“ Sie schaut den Elfen erwartungsvoll an, dieser gibt ihr jedoch kopfschüttelnd zu verstehen, dass er mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist. „Nein. Wenn sie unsere Tochter ist sollte sie nicht den Namen einer Hochelfe Tragen. Denn sie ist ebenso eine Nachtelfe“. Er mustert das Kind, welches unermüdlich in der Gegend umher schaut und mit aller Macht versucht seine Augen offen zu halten, damit ihm ja nichts entgeht. „Gewiss werde ich nicht zulassen, dass mein Kind mit den Namen einer der Euren angesprochen wird! Ihr, die ihr uns verbannt habt. Aus Furcht vor der Stärke die wir erhalten haben und die wir alle erhalten könnten! Niemals werde ich zulassen, dass meine Tochter den Namen Eurer Rasse trägt!“
Gaen schaut sie erzürnt an, besinnt sich jedoch auf seine elfische Ruhe und belässt es dabei.
„Nun denn“ spricht Lian „Was hältst du dann von Lilian? Dieser Name ist ebenso schön wie vornehm. Er drückt Erhabenheit und Eleganz aus. Eigenschaften die unseren beiden Völkern zuteil sind… Ich hörte einst einen Bauern diesen Namen nach seiner Frau rufen“.
Gaen lässt den Blick von dem Neugeborenen zu Lian schweifen und fixiert sie nachdenklich. Schließlich, es mögen einige Minuten vergangen sein „Ein ungewöhnlicher Name für eine Elfe. So… menschlich…“. Er hält inne und scheint in sich zu gehen. Langsam nickt er mit dem Kopf „Nun denn… So möge es sein“.


Teil 5: Ein grauenvolles Schicksal (1)

Zeitliche Einordnung:
Nach Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren des Krieges gegen die Horde, gelang es der Allianz von Lordaeron die Invasion aufzuhalten und zu zerschlagen. Unter ihrem Kriegshäuptling Orgrim Schicksalshammer hatten sich die Orcs zusammengetan und in der Zitadelle am Schwarzfels verschanzt. Unter der Führung Lothars kam es schließlich zu der entscheidenden Schlacht in welcher er durch die Hand des Kriegshäuptlings niedergestreckt wurde. Dieses Opfer enflammte die Allianz und sie schlugen die Horde in einer ruhmreichen aber blutigen Schlacht in die Flucht. Am Fuße des Dunklen Portals kam es schließlich zu einem letzten Gefecht in dem Schicksalshammer von der Allianz von Lordaeron gefangen genommen wurde, was das Ende des zweiten großen Krieges einleitete….


Die Schwärze der Nacht verhüllt das Antlitz der Erde. Es ist so dunkel, dass ein Mensch es kaum vermag seine Hand vor Augen zu sehen. So war es lange nicht. Eine drückende Stille herrscht. Es scheint als seien die sonst so vertrauten Geräusche um die Behausung des Elfen gänzlich abgestellt.
Die Höhle liegt dunkel da. Kein Feuer brennt, keine Gerüche, außer die von modrigem Holz und kaltem Stein liegen in der Luft. Die Felle die einst die Wände bedeckten liegen zum Teil am Boden oder gammeln an der Wand. Waffen und Kleidungsstücke fehlen. Lediglich einige verstaubte Bücher und diese merkwürdigen Apparaturen mit den verschiedenen Linsen, welche man sich auf die Nase setzen kann, liegen noch in den von Spinnenweben übersäten Regalen.
Seit Wochen oder Monaten war hier niemand mehr.

Nach der Geburt von Lilian zerfiel das schwache Gerüst des Respekts und Vertrauens zwischen Gaen und Lian. Der Elf bestand darauf, das Kind mit in seine Heimat zu nehmen um sie zu einer Dienerin Elunes Erziehen und Formen zu lassen. In seinen Augen die einige Möglichkeit, ihre Makel zu unterbinden. Er selber würde jedoch den Abstand zu ihr wahren, so wolle er nicht, dass sein Ansehen unter den Kladorei durch Gerüchte über die Beziehung zu einer Hochelfe geschädigt wird. Es kam zum Streit zwischen beiden, welcher damit endete, dass Lian den Elfen als dieser kurz unaufmerksam war, mit einem Feuerball blendete und mit Lilian unter dem Arm Hals über Kopf in die Wälder verschwand. Seines Augenlichtes zum größten Teil Beraubt, war es Gaen nicht möglich die Spur der Elfe zu verfolgen und so blieb er tobend vor Wut und Schmerz in der Höhle zurück.

Die Ersten Sonnenstrahlen fallen durch eines der Fenster des elfenbeinfarbenen Turms mit dem roten Dach und kitzeln Lilian an der Nase. Die junge Elfe mit dem hellblonden Haar und dem leichten grünen Schimmer in ihren Augen zieht die Decke über den Kopf. Als diese ruckartig von ihr gerissen wird sitzt sie kerzengerade im Bett und meckert „Was soll das? Ich will heute nicht aufstehen Mutter!“. Sie schaut Lian vorwurfsvoll an. „Wir werden diese Diskussion nicht schon wieder führen junge Dame. So lange du hier lebst, wirst du deinen Verpflichtungen nachgehen und ein wertvolles Mitglied unseres Volkes werden“ sagt sie ruhig aber bestimmend. Lilian verschränkt die Arme und lässt sich zurück in die Kissen fallen. „Ich würde es ja. Aber ich bin unfähig. Das sagen alle! Ich habe weder die Veranlagung noch das Talent mit Magie umzugehen“. Lian setzt sich neben ihre Tochter und streicht ihr beruhigend durchs Haar und über die Wange. „Diese Dinge brauchen manchmal ihre Zeit. Eines Tages wirst auch du offen sein für da s Geschenk des Sonnenbrunnes“. Sie lächelt Lilian an und zieht sie im nächsten Moment mit einem Ruck aus dem Bett. Verdattert und mit zerzaustem Haar steht die junge Elfe da. Ein seidenes Nachthemd bedeckt ihren schlanken Körper. Das Sonnenlicht bringt ihre blassblaue Haut zum Leuchten. Lilian schaut auf ihre Hände „Es ist nicht nur die Magie... Es ist alles. Ich bin nicht wie die anderen hier und sie wissen es, sehen es, sagen es…“ Die Worte der Elfe klingen traurig und kraftlos. Lian mustert ihre Tochter, tritt nah an sie heran hebt ihren Kopf mit dem Finger um ihr in die Augen zu schauen: „Du magst vielleicht anders aussehen als andere unseres Volkes, jedoch bist und bleibst du eine Elfe und so wie du, sahen auch Generationen vor dir aus… Es wurde nur vergessen“. Sie lächelt ihre Tochter aufmunternd an „Trage etwas zu ihrer Gemeinschaft bei und du wirst deinen Platz finden“. Lian gibt Lilian einen Kuss auf die Wange und wendet sich gen Tür ab. Im Rahmen bleibt sie stehen und ergreift noch einmal das Wort „Beginnen solltest du damit, dein Haar zu richten und dir zur Abwechslung mal die eleganteren Kleider in deinem Schrank anzuschauen welche ich für dich gefertigt habe“. Während sie spricht, deutet sie auf die recht zweckmäßige Lederkleidung die am Boden des Zimmers verteilt liegt. Es sind klobig gearbeitete Stücke. Zwar betonen sie die Figur und sind für die Jagd oder ähnliches eine vortreffliche Wahl, jedoch wenig elegant und weiblich. „Und heute Abend räumst du dein Zimmer auf junge Dame. Mit 13 Jahren sollte man dies bereits beherrschen“. Mit diesen Worten verschwindet Lian durch die Tür und die Wendeltreppe hinunter in ein unteres Stockwerk. Lilian steht noch immer verdattert vor ihrem Bett, reckt und streckt sich und streckt ihrer Mutter beim Verlassen des Zimmers die Zunge raus.

Nachdem Lian damals mit Lilian unter dem Arm die Höhle verlassen hat, irrten beide Tagelang durch die Wälder, bis sie schließlich die Hauptstraße erreichten. Ausgehungert und der Erschöpfung nah, trafen sie auf eine Patrouille der Hochelfen, die gerade auf dem Weg von den Grenzen des elfischen Königreichs Quel‘Thalas zurück in die Hauptstadt waren.
Anders als Lian damals dachte und aus welchen Gründen sie unter anderem Bei dem Elfen blieb, waren die Hochelfen der Hauptstadt erfreut, dass wenigstens sie lebend zurückgekehrt war. Da ihre Meisterin, Myrielra Mysii, nicht mehr unter ihnen weilte, bezog Lian schließlich ihr Anwesen, schloss ihre Ausbildung ab und arbeitete seitdem als Näherin.

„Ich weiß gar nicht was das bringen soll. Die machen sich doch nur alle lustig über mich“. Murmelnd schlurft Lilian die Hauptstraße entlang, den Blick auf ihre Füße gerichtet. Ihrer Mutter zuliebe hat sie sich eines der Kleider aus ihrem Schrank angezogen. Purpurrot mit silbernen Verzierungen am Saum der Ärmel und Kragen. Seitlich spitz zugeschnitten, sodass das eine Bein bedeckt und das andere bis zum Oberschenkel frei ist. Ein wahrhaft eleganter Schnitt, der sich wie eine zweite Haut an den Körper der Elfe schmiegt. Ihr Haar ist zurückgesteckt. Lediglich ein paar Strähnen hängen ihr ins Gesicht und umrahmen dieses.
Auf der Hauptstraße herrscht ein lebhaftes Treiben. Händler preisen ihre Waren an, interessierte und neugierige Kunden informieren sich und verhandeln angeregt. Es riecht nach Fisch, frischem Obst, Seide, Leder, Duftwasser, Brot und Gewürzen. Das Stimmengewirr wird untermalt von den hellen Tönen klirrenden Stahls welcher in einer Schmiede nicht unweit der Straße gehämmert wird. Die argwöhnischen Blicke einiger Elfen über ihre Andersartigkeit beachtet Lilian nur noch am Rande, als sie sich neugierig die Stände anschaut.
Zeit zum Verweilen bleibt ihr jedoch nicht, da sie sonst zu spät kommen und dies wieder einige Konsequenzen mit sich bringen würde. So musste sie das letzte Mal einige Regale mit alten Büchern abstauben. Eine Aufgabe die bis spät in die Nacht hinein gedauert hat und alles andere als einfach war, denn nicht wenige der Bücher waren ziemlich groß und entsprechend schwer. Noch einmal würde ihr das nicht passieren.
Geschwind eilt sie die Straße hinunter. Vorbei fahrenden Händlern, sich unterhaltenden und einkaufenden Bürgern, Stadtwachen und vielen anderen. Durch die Sonnenstrahlen glänzen die Straße und Wege, die elfenbeinfarbenen Fassaden der eleganten Bauten und sogar die Bäume am Straßenrand in einem warmen orange-goldenen Licht. „Hoffentlich schaffe ich es noch rechtzeitig“ murmelt sie vor sich hin als sie um eine Ecke biegt und hart mit etwas zusammenstößt.
Irritiert und leicht benommen schaut sie auf. Vor ihr steht mit finsterem Blick auf sie gerichtet eine kleine Gruppe Wachen. Ihre grünen Augen funkeln sie an. Der gewaltige rot-goldene Schild schillert in der Sonne. „Gebt Acht wo ihr hin lauft Elfe!“ spricht der Elf gegen den sie gestoßen sein muss. Besser gesagt gegen dessen Schild. Bei genauerer Betrachtung der Elfe hebt er die Augenbrauen „Ein Mischling. Ihr solltet Euch ganz besonders in Acht nehmen. Es sei denn Ihr habt es auf Ärger angelegt. In dem Fall werden wir nicht zögerlich umgehen mit einer wie Euch.“ Seine Worte klingen streng und verachtend. Lilian liegt noch immer am Boden und schaut etwas verängstigt zu dem Elfen hoch. An die Blicke einiger Bewohner hat sie sich zwar über die Jahre hinweg gewöhnt, aber eine derart offen dargelegte verachtende Haltung macht ihr noch immer schwer zu schaffen. „Beweg dich beiseite Elfe und achte in Zukunft darauf wo du hin läufst. Sollte Euch dies überhaupt möglich sein.“ Mit diesen Worten marschiert die Grupp e an Lilian vorbei die noch immer am Boden liegt und schnell atmend versucht ihre Tränen zu unterbinden. Sie hat schon mitbekommen, dass die Stadtwache wenig zu Späßen aufgelegt ist, auch ihre Mutter hat ihr dies immer wieder gesagt. Doch wird sie das Gefühl nicht los, dass sie bei ihr besonders erzürnt sind. Aber wieso? Weil sie nicht von reinem hochelfischen Blut ist? Weil sie ein Mischling ist? Kurz verweilt Lilian noch am Boden. Die meisten Bewohner der Stadt schenken ihr kaum Beachtung. Als ein junger Mann an sie heran tritt, ihr die Hand entgegen streckt und sagt „Darf ich Euch aufhelfen?“ zuckt sie zusammen. Über den Schreck hat sie doch glatt vergessen, dass sie längst hätte in der Bibliothek sein sollen um etwas über den Sonnenbrunnen und seine Macht zu lernen. Rasch ergreift sie die Hand des Elfen „Ich danke Euch“ quiekt sie ihm mit einem aufgesetzten Lächeln entgegen und hastet schnurstracks an ihm vorbei Richtung Bibliothek.
Als Lilian durch das große Tor stolpert und in die Bücherhalle eilt, sind die anderen ihres Jahrgangs längst in ihre Studien vertieft. Die Halle ist riesengroß und rund angelegt. Über mehrere Stockwerke, welche alle mit einer Wendeltreppe verbunden sind und die man vom Erdgeschoss hinauf sehen kann, reihen sich Regal an Regal. Durch die vielen großen, zur Decke oval verlaufenden Fenstern, erhellt die Sonne das Gebäude. Viele der Bücher, so scheint es, wurden seit langer Zeit nicht von ihrem Platz genommen. So befindet sich doch eine nicht unerhebliche Staubschicht darauf. An den Seiten vieler Regale sind Tische angebracht, an denen die Bücher gelesen werden können. Si'llya ihre Lehrerin steht in der Mitte des Raumes und beobachtet alle mit strengen Augen. Als sie Lilian erblickt verfinstert sich ihr Blick. „Mir scheint Ihr haltet es nicht für notwendig pünktlich zu erscheinen junge Dame. Gerade bei Eurem Wissensstand solltet Ihr etwas mehr Hingabe zeigen“. Kopfschüttelnd tritt sie vor Lilian und mustert si e mit prüfendem Blick. Si'llya gehört zu den größeren Elfen ihrer Art. Ihr langes, für Hochelfen typisch blondes Haar, ist vornehm nach hinten gesteckt, ihre Ohren sind geschmückt mit einigen grün leuchtenden Kristallen. Passend zu ihren Augen. Die dunkelroten vollen Lippen sehen zwar einladend aus, jedoch liegt auch in ihnen ein Ausdruck von Strenge. Die Elfe legt einen Finger unter Lilians Kinn und zwingt sie, sie anzusehen.
„Mir scheint als macht Ihr nicht nur in der Magie keine Fortschritte. Auch die Gabe der Pünktlichkeit scheint Ihr nicht zu besitzen“ spricht sie ruhig und dennoch mit einem herablassenden Unterton. Als Lilian den Mund öffnen will im zu sprechen legt Si'llya unterbindend einen Finger auf die Lippen „Schweigt. Eine Ausrede will ich nicht hören“. Lilian funkelt sie an. In ihrem Inneren beginnt es zu brodeln. „Nun denn meine Liebe. Mir scheint es gibt noch weitere Regale die entstaubt werden müssen. Macht Euch am besten gleich an die Arbeit. Dann schafft Ihr es vielleicht bis Mitternacht“. Lilian macht große Augen. Wut steigt in ihr auf. „Wieso sollte ich das tun? Es war nicht meine Schuld, dass ich zu spät kam!“ platzt es aus ihr heraus. Mit funkelnden Augen und zusammengepressten Lippen schaut sie ihre Lehrerin an. Diese hebt die Augenbrauen und grinst leicht amüsiert. „So lange Ihr keine Verantwortung für Euer Handeln übernehmt junge Dame, so lange werde ich Euch kaum etwas anderes lehren können als das Abst auben der Bücher. Zu mehr scheint Ihr nicht im Stande zu sein“. Nachdem sie gesprochen hat, klatscht Si'llya in die Hände und verweist Lilian dann an eines der Regale im hinteren Teil der großen Bücherhalle.
Wütend aber ohne weitere Widerworte schlurft sie auf die Regale zu. „Egal was du denkst und tust. Lege dich nie mit deiner Lehrerin an. Sie ist für deine Ausbildung verantwortlich und sie findet immer den Weg um ihre Schüler und Schülerinnen erfolgreich auf den Weg zu bringen“ sagt ihre Mutter immer, wenn Lilian am Abend von vorgefallenen Schikanen berichtet. Das Gefühl, dass diese Maßnahmen ihrer Ausbildung dienlich sein sollen, hat sie vor wenigen Jahren aufgegeben. Immer mehr drängt sich die Vermutung in den Vordergrund, dass es wie bei der Stadtwache auch, die Ablehnung ihrer Art ist.

Einige Stunden scheinen vergangen zu sein, als Lilian erschöpft von der Arbeit neben dem Regal zusammensackt. In der großen Bibliothek ist es still. Verwundert rappelt sie sich hoch und schaut sich um. Die anderen Elfen und auch Si'llya sind nicht mehr da. „Ist jemand hier?“ ruft sie zögerlich. Als keine Antwort kommt, beschließt sie sich weiter umzusehen. Als Lilian sich der großen Eingangstür nähert, hört sie von draußen kommendes hektisches Stimmengewirr. Neugierig öffnet sie einen Spalt breit das Tor und schaut hindurch. Stadtwachen rennen in großen Gruppen die Straße hinunter. Gewöhnliche Bürger rennen verängstigt kreuz und quer und suchen Schutz in ihren Häusern. Das hektische Gewirr von Stimmen und Schreien wird immer lauter. Lilian zieht die Tür auf und schiebt sich nach draußen. Signalhörner ertönen von den Türmen und Zinnen entfernter Mauern. Marktstände werden in blinder Panik umgestoßen. Es herrscht absolutes Chaos. Als die junge Elfe sich umschaut, in der Hoffnung zu begreifen was eigentlich lo s ist, erblickt sie am Himmel gewaltige Fledermäuse die auf die Bewohner der Stadt herabschießen und diese mit ihren spitzen Zähnen und gewaltigen Klauen packen und zerreißen. Blut spritzt auf die Straßen und Dächer der Häuser. Körperteile regnen vom Himmel. Lilian schreit vor Entsetzen auf und verschwindet wieder hinter der Tür, bevor sie diese mit einem lauten Knall ins Schloss fallen lässt. Zitternd starrt sie durch eines der Fenster auf den Vorplatz der Bibliothek. Mit Schrecken beobachtet sie wie große grün dampfende Klumpen den Himmel aufbrechen und mit donnerndem Getöse in die umliegenden Bauten krachen, welche unter den Schreien der Bewohner die sich darin versteckt haben zerbersten.


Teil 5: Ein grauenvolles Schicksal (2)

Zeitliche Einordnung:
Nachdem die Seuche, und mit ihr die Geißel, das Königreich Lordaeron befallen haben ziehen Arthas Menethil, Jaina Prachtmeer und Uther Lichtbringer im Namen König Terenas aus um den Ursprung dieses Übels zu finden. Um ein Ausbreiten der Geißel zu verhindern und das Volk der Menschen davor zu bewahren als Untote in deren Reihen zu stehen, befiehlt Arthas einen Vernichtungsschlag gegen die Stadt Stratholme.
Auf seiner Jagd nach dem Dämon Mal’Ganis, den er als Wurzel der Seuche ausgemacht hat, stößt der junge Prinz in Nordend auf die verfluchte Klinge Frostgram. Durch die Macht des Schwertes korrumpiert, richtet er sich schließlich gegen seine Freunde, seinen Vater und das Menschenkönigreich Lordaeron und erklärt es als Reich der Geißel.
Um die Überreste des zur Strecke gebrachten Totenbeschwörers Kel’Thuzad wieder zu neuem Leben zu erwecken, marschiert Arthas nun als Ritter der Geißel in das Königreich der Hochelfen Quel’Thalas um sich dort in der Hauptstadt die Mächte des Sonnenbrunnens zu eigen zu machen.


Die Schreie der panischen und sterbenden Bewohner werden lauter. Die Luft riecht nach Tod und Schwefel. Trümmer zerstörter Häuser und aufgerissener Straßen liegen umher. Hier und da auch einige verstümmelte Körper zerfetzter und erschlagener Elfen. Ein grüner Dunst bahnt sich seinen Weg durch die Stadt. Es herrscht ein heilloses Durcheinander.
Zitternd kauert Lilian neben dem Tor der Bibliothek. Stunden vergehen. Vielleicht aber auch nur Minuten. Als es etwas leiser wird schielt sie durch das Schlüsselloch des Tors. Nur noch vereinzelt rennen Bürger und Stadtwachen über den Platz. Vorsichtig öffnet Lilian das Tor und tritt geduckten Hauptes ins Freie. Die gewaltigen Fledermäuse kreisen noch immer am Himmel. Grüne Kugeln regnet es jedoch nicht mehr. Vorsichtig, aber flink rennt die junge Elfe zwischen den Trümmern und toten Elfen hindurch. Bei dem Anblick der Körper junger und alter Elfen, deren leere Augen sie anstarren kommen ihr die Tränen. Als sie im Schutz der Hausruinen die Straße entlang läuft, tritt sie plötzlich gegen den Körper einer Elfe, die ihr junges in den Armen hält. Beide haben einen Ausdruck von Angst im Gesicht. Der Körper des kleinen weißt tiefe Schnitte auf. Aus der aufgerissenen Bauchdecke quellen die winzigen Eingeweide. Der Mutter fehlt ein großer Teil des Schädels. Starr vor Entsetzen bleibt Lilian stehen und schaut wie ge bannt auf die toten. Ihr Körper wirkt wie versteinert. Ihr Blut fühlt sich eiskalt an. Heftig zitternd sinkt sie neben den beiden zu Boden. Ihre Sicht verschwimmt und die Welt scheint sich zu verzerren. Im nächsten Moment schüttelt sie sich heftig und erbricht sich auf ihre Knie. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel über ihr, als eine Fledermaus auf sie hinab stürzt. Bereit sie zu packen. Reflexartig duckt sie sich und verschränkt schützend die Arme über dem Kopf. Doch nichts passiert. Ein Entsetzlicher Schrei zerreißt die Luft. Gefolgt von einem dumpfen Aufschlagen eines berstenden Körpers. Lilian traut sich jedoch nicht zu schauen. Im nächsten Moment packt sie etwas am Arm und zerrt sie auf die Beine. Die junge Elfe schreit vor Schreck auf und schlägt wild um sich. Erst langsam registriert sie, dass die Hand an ihrem Arm einer der Stadtwachen gehört. „Mach, dass du hier weg kommst!“ schreit er sie an während er sie hinter sich her zieht. Wie in Trance, stolpert sie hinter dem Elfen her. Ihr Mund ist trock en und lässt eine Artikulation nicht zu.

Plötzlich bleibt der Elf stehen. Lilian schaut ihn verwirrt an. Mit ernstem Blick starrt er geradeaus die Straße hinunter. Ihren Augen bietet sich ein groteskes Schauspiel. Vor ihnen auf der Straße liefern sich einige Stadtwachen unter der Führung Sylvanas einen erbitterten Kampf gegen riese Fleischberge. Die Körper dieser Monster scheinen aus unterschiedlichen Teilen zusammengenäht. Ein bestialischer Gestank geht von ihnen aus. Wie in blinder Raserei schwingen sie ihre rieseigen Fleischerbeile und versenken diese in elfischem und eigenem Fleisch. Mit scheinbar blinder Wut und ohne Rücksicht auf eigene Verluste hacken die Bestien eine blutige Schneise in die Elfenkrieger. Diese haben ihnen kaum etwas entgegen zu setzen und weichen Meter für Meter zurück. Zwischen den Fleischbergen springen menschlich aussehende Wesen vorbei und stürzen sich auf die zurückziehenden Krieger. Mit Klauen und Zähnen zerreißen sie die überforderten Krieger, die mit aller Kraft versuchen den Ansturm zurück zu schlagen. Sylvana und ihre Jägerinnen lassen eine Salve von Pfeilen auf die Angreifer niederregnen. Sie durchschlagen Arme, Beine, Brust und Kopf. Unter grausamem Geschrei gehen viele zu Boden. Doch scheint es, als würden gleich ein Dutzend neuer Kreaturen den Platz der Gefallenen einnehmen, welche sich durch die Massen von Toten, Eingeweiden und Blut unaufhaltsam voranschieben. Das Licht des Tages scheint zu verschwinden, als sich eine Wolke aus schwarzem Nebel um die Angreifer bildet. Als übrigen Elfen sich zurückziehen, halten die Untoten inne. Der Nebel wird dichter als sich schweren Schrittes mit klirrender Rüstung eine riesige aber von der Erscheinung her menschliche Gestalt ihren Weg durch die Monster bahnt.
Sein weißes Haar weht leicht im Wind. Seine Haut hat einen kränklichen grauen Farbton und seine kalten Augen starren ausdruckslos geradeaus. Die Rüstung des Menschen scheint aus dunklem, fast schwarzem Stahl geschmiedet und ist übersäht mit scharfen Kanten. In seiner Hand trägt er ein riesiges furchterregendes Schwert, von welchem die finstere Aura auszugehen scheint.
Vor den Reihen der monströsen Kreaturen hält er inne und lässt seinen Blick über die übrigen Elfen schweifen. Ein kurzes bösartiges Lächeln umspielt seine Augen und Lippen, ehe er das Wort ergreift: „Bürger von Silbermond! Ich habe euch viele Möglichkeiten gegeben, euch zu ergeben, aber ihr habt euch hartnäckig geweigert! Wisset, dass eure gesamte Rasse und euer uraltes Erbe heute enden wird!“. Seine Stimme ist ruhig aber kalt. Die Klinge in seiner Hand blitzt auf. Der schwarze Nebel verdichtet sich. Wieder lässt er seinen Blick schweifen. „Ihr werdet Untergehen Arthas. Die Macht dieses Ortes und unsere Pfeile werden Euch vernichten! Euch und die Bestien die Ihr her brachtet.“, ruft Sylvana ihm entgegen ehe sie ihren Kriegerinnen den Befehl zum Angriff gibt.
Der Elf der Lilian hinter sich hergezogen hat stößt sie beiseite „Verschwinde hier Elfe! Bring dich in Sicherheit!“. Mit diesen Worten stürmt er los, seinen Brüdern und Schwestern zu helfen.
Voller Angst und fast starr wie ein Fels in der Brandung steht Lilian da und verfolgt mit Entsetzen in den Augen das Geschehen. Die Macht des schwarzen Ritters, welchen Sylvana Arthas nannte, scheint unbrechbar. Der Nebel verschlingt alles um sich herum und verweigert ihr jede weitere Sicht. Lediglich die Schreie sterbender Elfen und das Bersten von Stahl sind noch zu hören. Ihre Beine werden wackelig aber sie schafft es dies zu überwinden und davon zu laufen. Wie der Elf es ihr sagte.
Tränen laufen ihr über Wangen und die schrecklichen Bilder des eben Erlebten drängen sich immer wieder in ihre Gedanken. So schnell sie kann rennt Lilian die Straßen und Gassen entlang. Vorbei an den Ruinen einst so eleganter Gebäude an denen sie häufig vorbei kam wenn sie zum Markt wollte oder einfach spazieren gehen.
Wie angewurzelt und blass bleibt sie stehen als sie mehrere Meter vor sich ihr Wohnhaus erblickt. Das Dach und ein Großteil der Wände sind eingestürzt und der grünliche Dunst der Kugeln die sie am Himmel sah steigt aus den Trümmern empor. „Mutter?“ schreit sie voller Angst als die junge Elfe auf die Trümmer zustürmt. „Mutter wo bist du?“. Es folgt keine Antwort. Heftig weinend schaut sie sich um und beginnt damit in den Trümmern zu suchen. Unter einen Großteil der gewundenen Treppe die in die oberen Zimmer führte, schaut eine Hand hervor. Die Finger sind verdreht und blutverschmiert, doch kann Lilian den Ring ihrer Mutter daran erkennen. „Mutter!“ schreit sie wieder als sie versucht die Treppentrümmer beiseite zu schieben. Vergebens. Stark zitternd und weinend lässt sie sich fallen und tastet nach der Hand ihrer Mutter. Die Wärme ihrer Haut ist längst verloren.

Der Himmel verdunkelt sich zunehmend, die Luft riecht nach Schwefel, Feuer und Blut. Die Geräusche durch die Luft fliegender Kugeln und Pfeile sind zu hören. Außerdem das immer lauter werdende Kampfgeschrei. Die Elfen scheinen geschlagen und die Angreifer treiben die überlebenden unermüdlich die Straßen hinunter. Jene die Stolpern oder zu langsam sind werden von den monströsen Fleischerbestien oder den menschenähnlichen Kreaturen in Stücke gerissen. Alle anderen werden bald Opfer der Fledermausartigen Geschöpfe sein.
Lilian liegt im Dreck zwischen den Trümmern ihres Hauses. Ihre Hand umklammert fest die Hand ihrer Mutter. Das elegante Kleid welches sie heute zum ersten Mal getragen hat ist zerrissen und ihr Gesicht von Staub und Tränen verschmiert. Als sie etwas Klirrendes hört, nicht unweit von ihr Entfernt, schreckt sie hoch.
Auf der Straße nähert sich ein einzelner Elf. Sein Gang ist gebeugt langsam und ungleichmäßig. Das große Schild der Stadtwache schleift auf dem Boden. Als er Lilian erblickt bricht er zusammen. Die junge Elfe nähert sich ihm vorsichtig und kniet vor ihm nieder. Es ist die Wache die sie am Morgen noch getadelt hatte. Nun ist sein Anmut aus seinen Augen verschwunden. Tiefe Schnitte zeichnen seine Gesicht, seine Arme und die Brust. Die Rüstung ist aufgebrochen und sein Haar zu großen Teilen ausgerissen. Mit leerem Blick schaut er Lilian an und streckt seine Hand nach ihr aus. „Lauf…“ spricht er kraftlos aber eindringlich. „Lauf so schnell du kannst…“. Sein Blick wird trüber und schließlich sackt er zusammen und bleibt leblos neben ihr liegen.
Völlig aufgelöst starrt Lilian auf den toten verstümmelten Körper des Elfen, als sie durch einen lauten schrillen Schrei aus ihrem Tanceartigen Zustand gerissen wird. Eine Fledermaus stürzt auf sie herab. Die Klauen voran. Reflexartig greift Lilian nach dem Schild der Wache und hält es schützend über sich. Die Wucht der Fledermaus drückt sie hart auf den Stein. Die Klauen umklammern die Ränder des Schildes. Als sie sich erhebt um ihren nächsten Angriff zu fliegen springt die junge Elfe auf und rennt so schnell sie kann in Richtung nahegelegener Trümmer unter denen sie sich versteckt. Ein donnernder Aufschlag verrät ihr, dass die Fledermaus auf den Platten über ihr gelandet sein muss. Ein entsetzlicher Schrei durchdringt die Luft, gefolgt von einem hässlichen Kratzen von Kauen auf Stein. Vor Angst zitternd und mit den Händen an den Ohren rollt Lilian sich unter den Trümmern zusammen und presst fest die Augen zusammen.


Teil 6: Ein neuer Anfang

Zeitliche Einordnung:
Der in der Not geschmiedete Pakt zwischen der Horde und der Allianz zum Schutz Azeroths gegen die Invasion der brennenden Legion ist zerbrochen, die Königreiche Lordaeron und das Quel’Thalas sind gefallen und der Schwarzfels wurde erneut zum Symbol des Bösen. Das Land wird bedroht von gewaltigen Mächten.
Fünf Jahre ist es nun her, dass Lilian aus den Trümmern ihrer Heimat entflohen ist. Nachdem sie zunächst Zuflucht in Lordaeron gesucht hat, floh sie weiter in das Hinterland und schließlich nach Süderstade, wo sie einige Zeit verborgen lebte und mit ihren Erinnerungen rang.
Es war ein spontaner Entschluss, der sie dazu veranlasste zu dem Hafen von Menethil aufzubrechen, um von dort ein Schiff nach Kalimdor zu nehmen wo sie Hoffnungen hegte das Volk ihres Vaters zu finden.


Die Wellen peitschen schäumend gegen den massiven Holzsteg der weit ins Wasser reicht und unter der Wucht des Aufpralls schwer ächzt, als das Schiff endlich anlegt. Als Lilian von Bord geht, etwas käsig im Gesicht, ist es bereits früh am Abend und das kleine Dörfchen Auberdine liegt ruhig und friedlich dar. Der Wind hat zugenommen und pustet der jungen Elfe durch das Haar und ihre Kleidung. Diese besteht aus einer ledernen Hose, einem roten Hemd und einer braunen Weste. Darüber hat sie einige Felle und eine Kapuze gezogen, die bei dem Wind jedoch immer wieder heruntergepustet wird. Die Kleidung, welche für das elfische Volk eher untypisch erscheint, hat sie vor der Reise einem Bauern abgekauft. Die Felle enger um sich ziehend schreitet sie den Steg hinunter Richtung Gasthaus. Bis auf einige angelnde Elfen ist draußen nichts los. Die kühle Abendluft riecht salzig, aber auch etwas miefig von den an den Felsen und Pfählen gewachsenen Seetang.
Als sie das Gasthaus betritt sind nur wenige Besucher anwesend. Zwei Hand voll vielleicht. Dennoch ist er Raum erfüllt von lebhaften Gesprächen und Musik. Es duftet nach gebratenem Fisch, verbranntem Holz und Tannen.
Zunächst scheint sie niemand zu bemerken, bis sie schließlich in Richtung Tresen steuert. Die Gespräche verstummen nach und nach und Lilian spürt die Blicke der Elfen auf ihr ruhen.
Wer mag es ihnen verübeln, so treten derartige Erscheinungen ja nicht sehr häufig auf den Plan. Als Lilian die Kapuze abnimmt werden die Blicke sogar noch verdutzter und ein unüberhörbares Tuscheln dringt an ihre Ohren. In leicht geduckter Haltung tritt sie an die Gastwirtin heran. Diese mustert sie skeptisch: „Hallo“ beginnt Lilian leicht zögerlich. „Ich hätte gerne ein Zimmer“. Bei diesen Worten knurrt ihr Magen. Lange hatte sie nicht viel essen können, da ihr die Schifffahrt sehr auf den Magen geschlagen ist. „Oh… und vielleicht etwas zu essen?“ fügt sie recht kleinlaut hinzu. Die Elfe mustert sie noch immer mit eindringlichem Blick, weshalb Lilian sich langsam etwas unwohl fühlt. Auch das Tuscheln der anderen Besucher scheint nicht an Intensität abnehmen zu wollen. „Wer seid Ihr?“ fragt die Elfe schließlich in einem recht kühlen Ton „Was wollt Ihr hier?“. Lilian schaut sie verunsichert mit großen Augen an: „Ich bin Lilian… Ich kam gerade mit dem Schiff an und hätte gerne ein Zimmer für die nächsten Näch te“. Sie versucht sich so locker wie möglich zu präsentieren, jedoch ist ihre Nervosität deutlich erkennbar. Die Gastwirtin betrachtet sie von oben bis unten und bleibt schließlich an ihren Haaren und den grün schillernden Augen hängen. „Ihr seid eine Hochelfe…“ bemerkt sie abwertend „Jemanden wie Euch bewirtschaften wir hier nicht“. Der Blick der Elfe verfinstert sich und sie wendet sich kopfschüttelnd ab. „Bitte wartet!“ entgegnet Lilian: „Bitte… Ich habe eine sehr lange Reise hinter mir und möchte nur essen und schlafen“. Mit einer einzigen Handbewegung gibt die Elfe jedoch zu verstehen, dass von ihr keine Hilfe zu erwarten ist. Niedergeschlagen schaut Lilian sich um. Die Blicke der anderen ruhen noch immer auf ihr und durchbohren sie wie Dolche. „Verschwinde von hier!“, „Versuch dein Glück in den Wäldern“, „Eine der eurigen wollen wir hier nicht“, „Verräterin!“ hallt es in ihren Ohren. Völlig aufgelöst zieht die junge Elfe ihre Kapuze schützend weit ins Gesicht und verlässt das Gasthaus. Der Wind pustet immer stärker die Küste entlang. Froh darüber, dass kaum jemand unterwegs ist, schlurft Lilian den Weg hinunter. Auf der Bank neben einer kleinen Hütte steht ein Korb frisch gefangener Fische. Vorsicht schaut die Elfe sich um ob auch ja niemand in der Nähe ist. Als sie sich ihrer Unbeobachtetheit gewiss ist, schnappt sie sich zwei der Fische und verbirgt sie unter den Fellen. Raschen Schrittes verlässt die das kleine Dorf in Richtung Tannenwald.

Die Schwärze der Nacht ist bereits hereingebrochen, als Lilian zwischen einigen Moos bedeckten Felsen und hohen Tannen ein sicheres und vor allem windgeschütztes Plätzchen gefunden hat. Über einem kleinen Feuer brutzeln die an Stöcken drapierten Fische. Bei dem Anblick läuft ihr das Wasser im Mund zusammen. Ihr Magen knurrt bereits ununterbrochen.
Auf der Erde liegend, die Felle dicht an ihren Körper gezogen liegt Lilian schließlich dar. Tränen laufen ihr über die Wangen. Die Worte der Elfen in dem Gasthaus gehen ihr nicht aus dem Kopf. „Verräterin!“, „Wir wollen dich nicht!“. Was hat sie nur getan, dass ihr so viel Missgunst entgegen gebracht wird. Was kann sie dafür wer sie ist? Langsam fragt sich die junge Elfe ob es eine gute Entscheidung war hier her zu kommen. An einen Ort an dem sie offenkundig nicht erwünscht ist.

Nach den Erlebnissen in Auberdine zog Lilian weiter die Dunkelküste entlang in Richtung Eschental. Es war eine gefährliche Reise die sie nicht selten an die Grenze ihrer Kräfte brachte. Darauf achtend, sich möglichst wenig vorbeiziehenden Elfen zu zeigen zog sie sich immer weiter in sich zurück und verfiel wieder stärker den Erinnerungen an ihr Leben vor alle dem.

Es ist früh zur Mittagsstunde, als Lilian die Grenzen der Dunkelküste hinter sich lässt und die dichten Laubwälder des Eschentals erreicht. Durch das Sonnenlicht, bietet sich ein intensives Schauspiel der Farben. Die durch das dichte Blätterdächer dringende Sonnenstrahlen, tauchen alles in ein grünes Licht, welches hier und da von einem gold-glitzernden Schein durchbrochen wird. Hohes saftiges Gras wiegt sich leicht im Wind und die umliegenden Gewässer schillern in einem strahlenden Blau. Am Wegesrand befinden sich einige Gewundene dicke Äste an deren Spitze eine kristallene Kugel schillert. Trotz des leichten Windes ist es recht warm. Lilian legt die Felle ab und hängt sie an Gurten über die Schulter. Der Körper der Elfe hat sich zu dem einer jungen Frau geformt. Ihre schmale Taille fließt gleichmäßig in die Rundungen ihres Beckens über. Breit ist sie nicht gebaut und ausladend sind keine Bereiche ihres Körpers. So sind ihre Brüste sehr zierlich und von der Größe eines Apfels. Ihr Po ist fest und rund aber ebenfalls wenig ausladend. Ihre Arme und Beine sind recht dünn, weisen aber dennoch deutliche ausgeprägte Muskelstränge auf. Das hellblonde Haar welches ihr mittlerweile fast bis zum Po reicht ist an einigen Stellen in sich geschlungen wie die Ranken einer Efeupflanze. Das Rote Hemd und die beige Hose aus Tierleder schmiegen sich eng wie eine zweite Haut an den Körper der Elfe. Als Waffe trägt sie lediglich einen kleinen Dolch bei sich, der aus einer einzelnen Klaue besteht und am Ende mit einem ledernen Riemen umwickelt ist.
Lilian läuft langsam aber nicht trödelig den gewundenen Pfad entlang, welcher sich vor ihr erstreckt. Ihre Augen wandern hin und her und versuchen möglichst viele Eindrücke dieses wunderschönen Ortes aufzunehmen. Friedlich scheint es hier zu sein. Die hellen Töne in der Luft, das Rauschen des Windes in den Ästen. Langsam vergisst die junge Elfe die Strapazen ihrer Reise hier her und die ablehnende Haltung der Elfen in Auberdine.
Zur frühen Abendstunde, die Sonne ist noch nicht untergegangen, doch ist ihr Licht mittlerweile mehr orange statt golden, erreicht sie schließlich das Städtchen Astranaar. Die überwiegend aus Holz gebauten Gebäude mit den lila Dächern winden sich elegant in den Himmel. Umrandet wird alles von einem Flusslauf, welcher über eine geschwungene Brücke zu überqueren ist.
Beim Überqueren der Brücke stellt sich eine Schildwache in den Weg. Die Elfe ist gut einen Kopf größer als Lilian und schaut sie mit ernster Miene an. „Wer seid Ihr?“ spricht sie bestimmend und wenig freundlich. Lilian schaut zu ihr auf. Diese Situation kommt ihr leider nur zu vertraut vor, jedoch will sie sich davon nicht unterkriegen lassen. „Seid gegrüßt Elfe. Mein Name ist Lilian. Ich kam vor einigen Tagen mit Dem Schiff an der Dunkelküste an und suche nach einem Ort an dem ich verweilen kann“. Bei der Wahl und Aussprache ihrer Worte versucht sie möglichst freundlich zu klingen und sich ihre Unsicherheit und Befangenheit nicht anmerken zu lassen. Wie auch die Elfen in dem Gasthaus in Auberdine mustert diese hier sie ganz genau und bleibt an ihrem Haar und den Augen hängen. „Ihr seid eine Hochelfe habe ich recht?“. Die Schildwache hebt die Augenbrauen. „Was bei Elune führt eine wie Euch in unser Land?“. Eindringlich schaut sie Lilian an, die stark bemüht ist souverän zu bleiben. „Ihr habt Recht. Ich bin eine Hochelfe. Aber auch eine Nachtelfe und ich suche nach einem Ort an dem ich leben kann.“ Möglichst überzeugt und mit kräftiger Stimme spricht sie und schaut die Schildwache dann ebenso eindringlich an. Diese scheint sich davon jedoch wenig beeindrucken zu lassen: „Bei Elune… Wie könnt ihr es wagen euch eine Schwester der Kaldorei zu nennen, wo durch eure Adern doch das Blut einer Hochelfe fließt!“. Die Miene der Elfe verdunkelt sich. „Unser Volk hat genug durchgemacht und die Bewohner dieses Städtchens wollen ihren Frieden. Geht dorthin zurück wo Ihr herkamt!“. Die Worte der Schildwache, so ruhig sie auch gesprochen waren, lassen durch ihre Dominanz keinen Platz für eine Diskussion. Vor Lilians innerem Auge zersplittert es wie ein berstender Spiegel. Die Freude und der innere Friede, den sie dachte an diesem Ort gefunden zu haben sind wie weggespült mit den Tränen die ihr nun über die Wangen laufen. Beschämt wendet sie sich ab und wischt sich möglichst unauffällig die Tränen weg. Als sie sich noch einma l umdreht, steht die Schildwache schon nicht mehr auf der Brücke sondern patrouilliert am Wasser entlang. Niedergeschlagen steht Lilian am Rand der Brücke, welche an sich frei begehbar, dennoch wie mit einer Barriere verschlossen scheint.
Mit der erschütternden Erkenntnis, dass sie in diesem Teil der Welt auf wenig entgegenkommen hoffen kann, macht sie sich auf Richtung Osten. Ihre Beine kommen ihr schwer vor und ihr Körper zittert. Zwar wird es durch die herannahende Nacht frischer, jedoch ist dies nicht die Ursache für die Kälte, welche sich in ihr ausbreitet.

Lange wanderte Lilian nach diesen Erlebnissen durch die Wälder des Eschentals. Nicht immer ungefährlich war ihr Weg, da der Wald, so schön er auch sein mag, tückische Gefahren unter der friedlichen Oberfläche verbirgt.

Die Tage ziehen dahin. Sonnen gehen unter, Monde gehen auf. In den ersten Tagen ihrer Reise folgt die junge Elfe weiterhin der gewundenen Straße durch die dichte Vegetation der Wälder. Hier und da tauchen zwischen den Bäumen überwucherte Ruinen alter Zivilisationen empor, deren weißer Stein in der Sonne strahlt. Durch den Bewuchs scheint es, als gehören sie genau in diesem Zustand in die Landschaft. Als wären wie einzig zu dem Zwecke dort, unterschiedlichen Arten von Pflanzen eine Heimat zu geben.
Bei diesen Gedanken dreht sich Lilian der Magen um. Wie kann es sein, dass sie an einem Ort, an dem alles seinen rechtmäßigen Platz zu haben scheint, keinen Platz für sich finden kann?
Selten begegnet sie einigen reisenden Elfen. Häufig patrouillierenden Schildwachen. Aus Angst vor weiteren Misgunsbekundungen hat sie sich daran gemacht möglichst ihr gesamtes Haar und den Großteil ihres Gesichtes unter einigen Stoffen zu verbergen. Nur selten wagt sie einen Blick auf die vorbeiziehenden, so will sie doch, dass kein Blickkontakt zustande kommt, der sie an ihren Augen verraten könnte. Mehr noch als die Blicke und Worte anderer Elfen fürchtet sie jedoch die Nacht. Es scheint als würden mit der Dunkelheit die Erinnerungen an die Vergangene Zeit von ihr Besitz ergreifen. Sie umschlingen wie unnachgiebige dornige Ranken, welche sich mit ihren Spitzen tief in ihre Seele bohren. Der Tag schafft es durch seine Eindrücke und die Möglichkeit der Wanderung die meisten dieser Empfindungen zu unterbinden. Doch die Nacht, in der ein Weiterlaufen zu gefährlich zu sein scheint und ihr durch die Finsternis jede Form der Ablenkung verwehrt zieht sie dafür um so heftiger in diese Gedanken.
Auch in dieser Nacht kauert die junge Elfe wieder in einer geschützten Felsformation abseits des Weges unter ihren Fellen. Die Hände auf die Ohren gepresst, in der Hoffnung so die Stimmen und Schreie die durch ihren Kopf jagen zu unterbinden. Vergebens. Einzig die Erschöpfung des Tages und die geringe Kraft durch die stark mangelnde Ernährung schaffen es immer wieder sie in den Schlaf zu schicken.
Geschüttelt von einem Krampfhaften Schmerz wacht Lilian auf. Ihr Magen scheint sich um sich selber zu drehen. Seit Tagen hat sie nichts gegessen und die körperlichen Anstrengungen der Reise fordern langsam ihren Tribut. Als sie sich aufrichten will, fängt die Welt um sie herum an sich zu drehen und zu flimmern. Durch häufiges Blinzeln versucht sie eine klare Sicht zu bekommen. Aussichtslos. Das Meer von Farben verschwimmt zu einer kontrastlosen Masse, ehe es schwarz wird.

Ein recht ungleichmäßiges Ruckeln und Rattern holt sie aus ihren Träumen. Ihr Körper vibriert. Die Sicht vor ihren Augen ist weiterhin getrübt, dennoch kann Lilian vor sich eine Straße erkennen, über welche sie zu gleiten scheint. Vorsichtig und geschwächt dreht sie den Kopf und erkennt neben sich ein massives mit Eisen beschlagenes Rad. Sie muss auf einer Kutsche, einem Karren oder etwas ähnlichem liegen. Als sie langsam den Kopf hebt, hält der Wagen an. Eine quietschende Stimmte sagt etwas, deren Inhalt Lilian jedoch nicht verstehen kann. Schließlich verdunkelt sich die Sonne über ihr und sie blinzelt. Vor ihren Augen erkennt sie ein Gesicht aus dem eine lange spitze Nase reicht. Gelbe Augen funkeln sie an und zwei ebenfalls so gelbe spitze Eckzähne bahnen sich ihren Weg zwischen den Lippen der Kreatur entlang der Nase. Haare kann die Elfe nirgendwo entdecken. Dafür jedoch zwei lange spitze Ohren, die zu den Seiten abstehen. Das Geschöpf mustert sie und fummelt mit den Händen an ihrem Gesicht, ihren Haare n und ihren Ohren herum, während es in dieser quietischigen Stimmen vor sich hin murmelt. Als es sich erhebt, erkennt Lilian, dass die Kreatur kaum größer als ein kleines Menschenkind ist. Die Kleidung ist aus grobem Leder gefertigt und das Fell eines glücklosen Fuchses schmückt den Hals und die Schultern des Wesens. Ehe die junge Elfe realisiert was los ist, stopft das Geschöpf ihr etwas in den Mund. Zunächst würgt sie als die feste trockene Masse sich auf ihren Zunge drückt und versucht es auszuspucken. Dann bemerkt sie, dass es sich lediglich um etwas Brot handelt. Vorsichtig kauend zerteilt Lilian die Stücke im Mund. Ihr Magen beginnt zu in Erwartung endlich wieder etwas zu tun zu bekommen zu rumoren. Als die Elfe es geschafft hat den trockenen Bissen hinunter zu würgen, öffnet sie wieder den Mund, in der Hoffnung einen weiteren Bissen zu bekommen. Einige Zeit vergeht und das Brummen ihres Magens verstummt allmählich. Ihr Mund und ihre Speiseröhre fühlen sich trocken an. Umso gieriger lechzt sie nach d em Wasser welches kurz nach dem Brot ihre Lippen benetzt. Mit kräftigen Zügen nimmt Lilian das kühle Nass in sich auf. So hastig, dass es ihr zu Teilen an den Wangen hinunterläuft. Es fühlt sich wundervoll an und ein leichtes Kribbeln durchdringt ihren Körper als er sich der Stärkung bewusst wird. Dankbar lächelt sie dem grünen Geschöpf zu, ehe ihr Kopf wieder schwer auf den Karren singt und sie die Augen schließt.

Ein Kitzeln an ihrer Nase reißt Lilian aus dem Schlaf. Geblendet von hellem weißem Licht blinzelt sie und schaut mit zusammengekniffenen Augen an sich herunter. Die Felle die ihren Körper bedecken sind von einer leichten weißen Schichte bedeckt, die wie Watte darauf zu ruhen scheint. Dem Schaukeln nach zu urteilen, liegt sie noch immer auf dem Karren. Das laute Rattern ist jedoch weniger geworden und hat eher das Geräusch eines dumpfen Knirschens angenommen. Als Lilians Augen sich langsam an das helle Licht gewöhnt haben, entdeckt sie, dass alles um sie herum in diese weiße Watte eingepackt ist. Vorsichtig tastet sie danach. Es fühlt sich kalt an. Als sie etwas davon in die Hand nimmt klebt die Masse zunächst zusammen und verwandelt sich allmählich in Wasser.
Das muss Schnee sein, fällt ihr ein. Schon oft hatte sie davon gelesen. In den Büchern in der großen Bücherhalle in Silbermond. Eines davon war ihr beim Putzen auf den Kopf gefallen. Gesehen hatte sie diesen jedoch noch nicht. Bei dem Gedanken daran werden ihre Augen feucht und kleine Rinnsale von Tränen bahnen sich den Weg über ihre Wangen. Was würde sie nur darum geben wieder von ihrer Lehrerin ausgeschimpft und zum Putzen verdonnert zu werden. Zwar hatte sie dies immer verabscheut, da sie sich ungerecht behandelt fühlte aber zu der Zeit war ihre Welt noch in Ordnung.
Erst als die Tränen über ihr Gesicht wandern, merkt Lilian wie kalt es ist. Schnell zieht sie die Felle die auf ihr ruhen enger an ihren Körper und ihr Gesicht. Dies stellt sich jedoch als gar nicht so leicht heraus, da ihre Arme und Beine sich wie erstarrt anfühlen.

Nach einer Weile, es mögen noch gut zwei Stunden gewesen sein in denen die Elfe ihren Gedanken übergeben auf dem Karren unter den Fellen liegt, wird das Knirschen der Räder im Schnee weniger und das Schaukeln ebenso. Schließlich hält der Wagen und Lilian hört wie etwas auf dem Schnee aufschlägt und dann schlurfend an ihr vorbei zieht. Im nächsten Moment hört sie diese quietschende Stimme: „Auf, auf mit Euch Langohr! Die Fahrt ist zu Ende“. Etwas irritiert hebt Lilian den Kopf und sieht die kleine grüne Gestalt am Ende des Wagens stehen. Eine Hand fordernd in ihre Richtung streckend. Zögernd schaut sie sich um. Außerdem ist das Aufstehen gar nicht so einfach. Ihr Körper scheint durch das Ruckeln des Karren völlig verspannt zu sein und sich nicht kontrollieren zu lassen.
„Trödelt nicht Langohr!“ quietscht die Stimme herrischer, ehe das Wesen auf den Karren springt und an ihren Gliedmaßen zieht um sie auf die Beine zu bringen. Schwer atmend und fast in sich zusammensackend tritt Lilian auf. Ihre Knie zittern und ihre Muskeln fühlen sich wie Pudding an. Nur mit Mühe und gestützt von dem Karren kann sie sich auf den Beinen halten. Dankbar dafür, dass das kleine grüne Männchen sie nicht weiter triezt, tippelt sie vorsichtig von einem Bein auf das Andere um wieder etwas Gefühl in den Beinen zu bekommen. Langsam löst sie sich vom dem Karren als sie glaubt ihren Beinen wieder vertrauen zu können. Zwar wackeln diese noch stark unter ihrem Gewicht, jedoch verweigern sie ihr nicht den Halt.
Vor ihr liegt ein kleines Dorf hinter hohen Mauern, welche sich farblich kaum vom Schnee der sie bedeckt abheben. Zwei riesige mit Eisen beschlagene Holzflügel geben einen Durchgang ins innere Frei. Zwischen ihnen steht die kleine Kreatur und winkt sie heran. „Kommt, kommt!“ ruft sie.
Vorsichtig bewegt Lilian ihre Beine und tastet sich behutsam durch die weiße Masse am Boden. An der Mauer entdeckt sie unter einem aus Holz und mit blauen Tüchern gebauten Unterstand einige Pferde, riesige Wölfe und andere Kreaturen auf denen man scheinbar reiten kann. Links und rechts neben dem stehen zwei andere kleine grüne Wesen. Das Aussehen dieser gleicht dem, mit dem sie hergekommen war. Ihre gelben Augen starren sie an und ein fieses Grinsen zeichnet sich auf ihren Gesichtern ab. Eine der beiden Kreaturen hat einige goldene Ringe in seinem Ohr befestigt.
Als Lilian an ihnen vorbei durch das Tor tritt, liegt vor ihr eine kleine Siedlung mit rundlichen, fast wie Kugeln aussehende Häuschen. An den Wegen entlang stehen Fackeln, welche den Schnee um sich in ein orange-gelbes Licht tauchen. Vereinzelt ragen riesige Tannen empor. Lilian bleibt stehen und schaut sich neugierig um, als sie wieder von dieser Stimme angekrächzt wird „Hier her Langohr! Hier ist es warm! Nicht trödeln!“. Das kleine grüne Männchen steht vor einer der größeren Kugeln und winkt sie zu sich heran. Neugierig folgt sie ihm ins Innere. Sehr warm ist es nicht. Aber wärmer als draußen. Das Innere des Gebäudes besteht aus einem einzigen großen Raum. In der Mitte steht auf einem roten, recht abgetretenen und verschmutzten Teppich ein großer klobiger Holztisch. Drum herum einige dazu passende Stühle. An der Wand zu ihrer rechten sind mehrere Netzte gespannt. In einigen davon liegt jemand. Gegenüber des Eingangs steht ein Tisch der mit altem und frischem Blut beschmiert ist. Daneben hängen an einer Holzkonstruktion einige Fleischteile. Am Tisch sitzen vereinzelt diese keinen grünen Kreaturen. Aber auch zwei Menschen sind zu erkennen. Als sie die Elfe bemerken drehen sie sich kurz um und mustern sie interessiert. Lilian spürt wie sich ein Klos im in ihrem Hals bildet. Ob gleich wieder abfällige Bemerkungen über sie hereinbrechen? Doch ehe sie sie die Situation verarbeiten kann, wenden die interessierten Gesichter sich wieder von ihr ab und vertiefen sich in Gespräche. Niemanden scheint es zu interessieren dass sie da ist.
Ein leichter Säufzer entgleitet ihr. Vielleicht kann sie hier endlich etwas zur Ruhe kommen.
Die Kreatur mit der sie her kam deutet auf einen freien Stuhl und stellt einen Teller voll Fleisch und Bort auf den Tisch davor. Unsicher aber vom Hunger getrieben tritt Lilian heran und setzt sich.
Ihr Blick wandert über die anderen Gestalten am Tisch, die sie weiterhin nicht beachten. Nach einer Weile, ihr Magen hat wieder angefangen zu knurren, nimmt sie etwas Brot und stopft es sich vorsichtig in den Mund. Ihre Augen wandern dabei immer wieder über die anderen Besucher dieses Hauses. Aus Angst, sie würde das Wort erheben sobald sie von ihren Speisen isst.
Das Bort ist trocken und das Fleisch etwas zäh. Aber im Vergleich zu dem was die junge Elfe in den letzten Tagen und Wochen gegessen hat, ist es wie ein Festmahl für ihren Gaumen. Viel kann sie jedoch nicht essen, da ihr Magen sich schon nach einigen Bissen zusammenzieht. Zu lange ist eine vernünftige Mahlzeit her. Und dennoch, schon die paar Stücke Bort und Fleisch scheinen sie wieder etwas zu Kräften kommen zu lassen. Als sie die letzte Ladung in ihrem Mund heruntergeschluckt hat, tritt das kleine grüne Wesen an sie heran und zieht sie recht grob vom Stuhl „Komm Langohr. Du musst schlafen!“. Überrascht lässt Lilian sich hinter ihm herziehen in Richtung der Netze an der Wand. „Du musst bezahlen Langohr. Du nicht umsonst hier sein!“. Er streckt die Hände aus. Wartend auf eine Bezahlung. Lilian schaut ihn verwirrt an. Was soll sie ihm nur geben? Gold, Silber oder doch nur etwas Kupfer? Leider hat sie nichts von alle dem. Aus Angst sie könnte wieder hinaus in die Kälte geschickt werden, greift sie nach dem Do lch den sie bei sich trägt. Sofort springen die Gestalten am Tisch auf. Die Hände an den Waffen, bereit auf sie loszugehen, sollte sie eine Dummheit versuchen. Ihre Augen starren ernst und wachsam die Elfe an. Erschrocken über diese plötzlich eingetretene Situation starrt Lilian zitternd in die Runde. „Ich… ich habe nur… den Dolch“ spricht sie zitternd ehe sie diesen vorsichtig aus dem Gürtel zieht. „Ich habe kein Gold mit dem ich zahlen kann… Nur den Dolch…“. Ihre Stimme klingt dünn und verängstigt, als sie den Dolch in der Handfläche liegend dem grünen Geschöpf entgegenstreckt. Dies mustert die Klinge und dann die Elfe. Ein kurzes gemeines Grinsen huscht über sein Gesicht, erreicht aber nicht seine Augen. Ehe Lilian sich versieht, greift es nach der Klinge und marschiert von dannen. Die anderen Besucher wenden sich sogleich ab und wenden sich wieder ihren Gesprächen zu, als sei nichts gewesen.

Seit einigen Tagen ist Lilian nun in der „Ewigen Warte“. Von den Menschen dort hat sie erfahren, dass die grünen Wesen Goblins genannt werden. Heimtückische Kreaturen, die nur so lange den Schein von Freundlichkeit wahren, so lange sie Genug Besitztümer hat, die sie ihnen geben kann. Da sie keine weiteren Besitztümer von Wert bei sich hatte, beschloss die junge Elfe die sicheren Mauern des kleinen Dorfes zu verlassen. Ganz geheuer waren ihr diese kleinen grünen Geschöpfe sowieso nicht.
In einer heruntergekommenen Hütte in den Wäldern, fand sie schließlich Zuflucht und begann damit sich häuslich einzurichten. Die Einsamkeit wirkte wie ein Balsam für ihre Seele. Es gab niemanden vor dem sie sich erklären oder verantworten müsste.

Der Schnee liegt hoch an jenem Tag, als Lilian sich einen Weg durch die Wälder bahnt. Sanft raschelt er unter ihren Schritten, welche tiefe Abdrücke hinterlassen. Einige Felle kleiden den Körper der jungen Elfe. Eine Kapuze hängt tief ins Gesicht unter der ihr langes blondes Haar zu einem Zopf geflochten bis fast zur Taille reicht. Mit dicken Gurten sind eine Tasche aus Leder und ein Köcher voller Pfeile auf ihren Rücken geschnallt. In ihrer Hand trägt sie einen Aus Tannenholz gefertigten Bogen. Es ist ein einfaches Stück. Die Wurfarme sind geschält und mit ein paar selbst geschnitzten Mustern versehen. Der mittlere Teil ist mit einem dünnen Fell und einigen Schnüren bestückt und an den Enden gibt es einige Furchen, in denen die Sehne eingespannt ist. Da sie ihren Dolch abgegeben hat, war diese Waffe die einzige Möglichkeit, die der jungen Elfe in den Sinn kam um sich Nahrung zu besorgen und im Falle eines Angriffs sich zu verteidigen.
Lilians Ohren zucken, als sie ein knurren unweit von sich entfernt wahrnimmt. Sofort geht sie hinter einem Busch in Deckung und späht vorsichtig durch die verschneiten Äste auf eine Lichtung vor sich.
Auf der freien Fläche zwischen den Bäumen tollen einige kleine Katzen. Ihr weißes Fell passt sich perfekt dem mit Schnee bedeckten Boden an. Lediglich ihre silbernen Streifen auf dem Rücken geben sich etwas davon ab und funkeln in der Sonne.
Unbeholfen tollen die winzigen Raubkatzen herum, wälzen sich im Schnee und tragen untereinander kleine Kämpfe aus die jedoch mehr einem etwas wilderen Kuscheln ähneln. Gebannt von Anblick und mit einem Lächeln im Gesicht schaut Lilian aus ihrem Versteck den kleinen Geschöpfen eine Zeit lang zu. Schließlich bemerkt sie weiter am Waldesrand eine kleine Katze die zusammengekauert unter einem Baum den anderen beim Spielen zuschaut. Ebenso wie die anderen, hat auch diese ein schneeweißes Fell. Jedoch sind die Streife die den Rücken zieren nicht silbern sondern orange.
Immer wenn eine der anderen Katze in die Nähe dieser kommt, richtet sie sich auf und wedelt freudig mit dem Schwanz. Die anderen scheinen diese jedoch nicht in ihr Spiel integrieren zu wollen und so sinkt die orange getigerte Katze immer wieder traurig zu Boden, wenn die anderen sich entfernen.
Mitleid steigt in Lilian auf, so kennt sie dieses Gefühl doch leider zu gut. Wehmütig ruht ihr Blick auf der kleinen Katze die da alleine unter dem Baum sitzt. Im nächsten Moment jedoch fliegt ein tiefes Knurren an ihr Ohr, was sie schlagartig aus ihren Gedanken wirft. Eine große Katze, Auf den Hinterbeinen mag sie sicher so groß, wenn nicht sogar größer als Lilian sein, betritt die Lichtung. Lilian duckt sich tiefer hinter den Busch und nimmt einen Pfeil aus ihrem Köcher um diesen in den Bogen zu spannen. Ihre Atmung verringert sich um nicht zu viel Lärm zu machen. Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen und fixieren die riesige Katze, welche sich elegant durch den Schnee schiebt. Die Jungtiere maunzen und umspringen ihre Mutter, die behutsam mit der Pfote nach ihnen klatscht um sie spaßeshalber in den Schnee zu schubsen. Lilian lässt den Bogen sinken und beobachtet das Schauspiel. Darauf bedacht sich nicht zu bewegen um sich nicht durch ein Rascheln des Schnees oder des Busches vor ihr zu verraten.
Einige Zeit vergeht, ehe die Mutter mit ihren Jungtieren die Lichtung verlässt. Lediglich das kleine orange getigerte sitzt noch einsam unter seinem Baum und schaut traurig in die Richtung in welche die anderen verschwunden sind. Der Anblick trübt den Blick der jungen Elfe und ihre Augen füllen sich ein wenig mit Tränen. Das Gefühl der Einsamkeit, der Abgewiesenheit, der Unerwünschtheit, sie kann es in diesem kleinen weiß-orangen Häufchen spüren.
Nach einigen Minuten in denen sie noch warten wollte, ob die große Katze nicht doch zurück kommt, verlässt Lilian langsam ihr Versteck, schultert den Bogen und tritt vorsichtig, die Gegend im Blick behaltend auf die Lichtung. Behutsam näher die junge Elfe sich dem kleinen zitternden Häufchen Elend. Die kleine Katze beginnt zu fauchen und etwas zurück zu weichen als Lilian sich ihr nähert. Langsam geht sie auf die Knie und nimmt die Kapuze ab. „Hey meine kleine“ spricht sie ruhig und nicht zu laut. „Ich tue dir nichts“. Lilian mustert die kleine Katze und lächelt. „Was machst du denn so alleine hier? Wieso bist du nicht mit den anderen mitgegangen?“. Die Katze faucht sie noch immer an und fährt ihre winzigen Krallen aus, während sie nach links und rechts tippelt als wolle sie die Elfe umkreisen. Eine Weile bleibt Lilian ruhig sitzen und fixiert die Katze. Schließlich bewegt sie sich um die Ledertasche von ihrem Rücken zu lösen. Sofort faucht die kleine Katze lauter und fuchtelt mit der Pfote bedrohlich in de r Luft umher. „Hab keine Angst… Ich tu dir nichts. Dies ist nur eine Tasche… Ich will sehen ob ich etwas zu Essen dabei habe“. Vorsichtig und langsam öffnet Lilian die Tasche und kramt nach etwas essbarem. Ein wenig trockenes Fleisch befindet sich darin. Lächelnd streckt die Elfe die Hand mit dem Fleisch darin in Richtung der Katze und wirft es ihr vor die Pfoten. Der kleine Tiger schreckt zurück und faucht wieder in diesem hohen kaum bedrohlich klingenden Ton. Dann schnuppert sie an dem Fleisch und zieht es blitzschnell an sich heran.
Einige Zeit vergeht, vielleicht ein Stunde, vielleicht mehr. Lilian sitzt noch immer ruhig im Schnee und beobachtet die kleine Katze vor sich. Diese hat das Stück Fleisch und einige andere längst heruntergeschlungen und liegt nun relativ unbeweglich da. Den Kopf auf den Pfoten abgelegt. Die Augen fixieren jedoch weiterhin die Elfe. Langsam bewegt Lilian sich auf sie zu. Sofort schnellt er Kopf der Katze nach oben und sie beginnt wieder zu fauchen. Behutsam streckt die Elfe die Hand aus bis kurz vor das Gesicht der Katze. Diese schlägt mit der Pfote danach und faucht. Als Lilian jedoch nicht zurück weicht, richtet sie sich auf und beginnt vorsichtig an ihr zu schnuppern. Nach einigen Minuten streckt die junge Elfe ihre Hand weiter aus und berührt sanft den Kopf der kleinen Katze um sie zu streicheln. Zunächst zuckt diese unter Protesten zurück, gibt sich dann jedoch den Streicheleinheiten hin und nähert sich.
Lilian streckt ihr langsam die zweite Hand entgegen um sie zu greifen und an sich heran zu ziehen. Zunächst strampelt das kleine Fellmonster in ihren Händen und beginnt wieder zu fauchen – es scheint ihr nicht zu gefallen – als sie jedoch in den Armen der Elfe liegt und diese sie beruhigend krault, scheint der Protest vorüber zu sein. „Hey meine kleine“ murmelt Lilian „Hast du Lust mich zu begleiten?“. Ein breites Lächeln zeichnet sich auf dem Gesicht der Elfe ab „Nun ja… Eigentlich hast du gar keine andere Wahl… Du bist einfach zu süß, als dass ich dich je wieder loslassen könnte“. Behutsam legt Lilian ihre Hand auf den Bauch der Katze, welche sofort nach dieser greift und anfängt auf ihren Fingern zu kauen. Zwar sind ihre kleinen Zähne zu spüren, scheinen jedoch noch nicht kräftig genug zu sein um wirkliche Verletzungen hervorrufen zu können.

Monate sind seit der Begegnung von Lilian und der kleinen orange-getigerten Katze vergangen. Seit dem Tag ihrer Begegnung sind die beiden unzertrennlich. Die ähnlichen Erfahrungen der Unerwünschtheit scheinen die beiden enger miteinander zu verbinden, als es eine Beziehung zu anderen gleichen Volkes könnte. Die Katze, welche Lilian Chloey genannt hat ist bereits um einiges größer und stärker geworden. Fast so groß wie die Elfe selber. Auch wenn sie ihre Stärke gegenüber ihrer Gefährtin versucht mit Bedacht einzusetzen, erscheint dies nicht immer zu glücken, zumal auch die Sturheit Chloeys der von Lilian in keinster Weise hintenan steht, was nicht selten zu Auseinandersetzungen führt.


Abspann:
Vor gut sechs Jahren ist die junge Elfe aus ihrer Heimat Silbermond geflohen. Die Zeit hat Spuren an ihr hinterlassen. Die immer wieder aufflammenden Bilder des Schicksals ihres Volkes und die Ablehnung aller anderen, haben sich stark in ihre Seele gebrannt. Um mit diesen Eindrücken umzugehen, hat Lilian im Laufe ihrer Abgeschiedenheit in der kleinen Hütte im Wald von Winterquell damit begonnen eine Art Schutzschild um ihre gefolterte Seele zu errichten. Im Zuge dessen kam ihr die Idee, dieses Kapitel ihres Lebens mit dem Namen der zu diesem gehört, für alle Zeit darunter zu begraben.
Der Name Lillie, welchen sie selber sehr süß findet, soll schließlich das Symbol ihrer neuen Persönlichkeit werden. Ebenso wie ihre Erscheinung.
Von den Menschen hat sie gelernt, dass es möglich ist dem Haar eine andere Farbe zu verleihen. Im Sinne ihres Volkes entschied sie sich für einen grünen Farbton, welcher aufgrund ihrer hellen blonden Haare jedoch mehr Türkise zu schillern scheint. Die Tätowierungen um die Augen herum, welche mehr als schmerzhaft waren, sollten gleich zwei Zwecke erfüllen. Zum einen wollte die junge Elfe mit dieser eine Verbundenheit zu ihrem Volk darstellen, zum anderen sollte das Motiv – Die Phönixschwingen – ihren Aufstieg und Neuanfang symbolisieren.

Es war ein warmer Morgen, als Lillie, gefolgt von ihrer Katze Chloey, die kleine Hütte hinter sich lässt um ihren Weg fortzusetzen. Von reisenden hörte sie, dass schreckliche Gefahren die Welt heimsuchen würden und tapfere Krieger gebraucht werden um diese zu bezwingen. Eine Vorstellung, die der jungen Elfe wenig zusagte:
„Bitte was? *zeigt den Reisenden einen Vogel* Ihr habt sie doch nicht mehr alle… Ganz sicher lasse ich mich nicht von irgend so einem dummen Drachenvieh grillen wie so ein Brathähnchen. *mustert die beiden leicht verdutzten Männer* Ihr seht dämlich genug aus das zu machen. *grinst frech* Ich wünsch euch viel Spaß dabei… Ach ja… Wenn es euch erwischt, schreit nicht so laut rum. Das nervt total! Wie diese neuartigen Erfindungen der Gnome die herabgefallene Blätter durch die Gegend pusten. Da will man mal ausschlafen, entscheidet sich dann aber gezwungendermaßen dafür dem lieblichen gesumme dieser Todesmaschinen fürs Gehör zu lauschen... *wendet sich dann Chloey zu* Na komm Süße… Lass und weiter. Ich will mir neue Kleider kaufen… Oder hast du Bock dich diesen Idioten anzuschließen?“.
Mit diesen Worten stapfte die junge Jägerin trällernd an den beiden recht zerknirscht dreinblickenden Männern vorbei, welchen sie auf dem Weg noch einen Kuss zu hauchte…



© by Isabella Sommer, September 2017