Sanktima und das Erbe des Blutes

 

Wer hier Leid, Tränen, erschlagene Familien, abstürzende Raumschiffe und sonstige Entsetzlichkeiten sucht, wird enttäuscht sein. Nicht jedes Leben hat einen Hintergrund voll großer Tragik. Doch der Begriff Tragik ist relativ, denn wir hatten in der Einöde des Hinterwalds auch mal ungebetene Gäste aus Sturmwind. Aber das ist eine Geschichte für sich und das Einzige was uns von ihnen blieb, ist eine verballhornte Gemeinsprache. Bis dahin kannten wir nichtmal die...

Obgleich es in unserem winzigen Dorf auch etwas zu tun gab, zog es mich doch immer wieder raus in die Wälder des kleinen Talkessels. Etwas Kleidung, ein Bogen, etwas Spitzes zum Stechen, das war mein Besitz. Der Wald lehrte mich sein Rauschen zu deuten, den Gesang der Vögel zu verstehen und bezog mich immer mehr in sein eigenes, schwier ewiges Leben mit ein. Ignaz Seppl hieß ich zwar, doch in unserer Dorfgemeinschaft nannten sie mich bald nur noch "Waldmeister". Zuerst etwas spöttisch, irgendwann aber schon auch mit etwas Respekt. Und eines Tages zeigte mir Bartl, unser Dorfältester "den Spalt", wie wir ihn nannten - den versteckten, körperengen Durchgang raus in die große Welt.

Dieser ließ mir keine Ruhe mehr, es war das Ende meiner Kindheit in Hinterwald und der Beginn einer großen Reise, einer Reise, die auch heute noch nicht zu Ende ist. Der Konservator Ilthalaine winkte mir und gab mir den Auftrag, junge Nachtsäbler in der Umgebung zu töten, kleine Katzen, so gut wie wehrlos – angeblich, um das Gleichgewicht der Natur zu wahren. Ich verweigerte mich, aber er bestand darauf und meinte, das wäre meine einzige Chance zu einem begleitenden Tier zu kommen, irgendwann später ---

Ich gab nach und tötete schmerzenden Herzens ein paar Katzen und Schweine. Bald darauf stand ich im Dorf Dolanaar, lernte dort den Jägerlehrer Dazalar und Keldas, den Tierausbilder kennen und stand bald darauf südwestlich des Al'Amethsees – denn dort gab es eine für mich gefährliche Raubkatze, die mich faszinierte, den pirschenden Nachtsäbler. Unauffällig, schlank, zäh und schlau. Es dauerte eine Weile, bis ich das Vertrauen eines dieser Tiere erlangte, doch als ich den versuchte zu zähmen, wehrte er sich verbissen… und ging dann aber trotzdem aus freien Stücken mit. Pardus nannte ich den Kater.

Nun, das war eine ungewollt ausufernde Einleitung, den Rest raffe ich kurz zusammen, um sodann zum Wesentlichen zu kommen. Ich wollte andere Völker und Länder kennen lernen und flüchtete, kämpfte und starb mich mühsam durch nach Eisenschmiede. Nach den vorigen, netten Zwergendörfern war dieses Monstrum für mich eine Katastrophe! Ein Monstrum aus rostigem Eisen, voll beißendem Rauch, aber immerhin auch voll mit arbeitsamen Zwergen, die ich auf meiner Reise schon ansatzweise zu schätzen gelernt hatte. Eine grässliche Untergrundbahn führte mich schließlich nach Sturmwind, wo ein Leiden seinen Anfang nahm, welches ich vorerst gar nicht als solches sah.

Menschen…! Meist schön, immer schlank, mit kurzen Ohren und anmutigen Bewegungen, zumindest die Frauen. Sie sprachen die Gemeinsprache, denn eine eigene hatten sie offenbar nicht. Aber viele sprachen schön, in gut überlegten Sätzen, mit wohlmodulierter Stimme. Ich sah ihre erlesene Kleidung, spürte oft ein hohes Maß an Bildung, hörte sie über Dinge reden, von denen ich nichts verstand – und wollte so werden wie sie!

Ja, ich, der kleine Bub aus dem Hinterwald wollte eine jener Stadtelfen werden, die ich dort auch sah. Leute meines Volkes, gewandet und sprechend wie die Menschen, weitgehend von diesen anerkannt, weil sie ja alles abgelegt hatten, was sie einst mal waren – Kinder des Waldes, der Natur.

Viel sprach ich dort nicht am Hauptplatz, worüber auch? Über den Bandwurm, der meinen Kater eine Zeit lang quälte und ihn abmagern ließ? Dass ich neue Sehnen für meinen Bogen brauchte und von einem Schleifstein für mein mickriges Kurzschwert träumte? Mir war klar, das würde niemanden hier interessieren, also stand ich nur am Rand der plaudernden Gruppe, hörte zu und lernte…

Ich wurde Mitglied in dieser Gilde und gleich darauf nahmen sie eine Schurkin auf mit exzellenten Umgangsformen. Vielleicht hat sie jemand aus der Gemeinschaft gebeten, sich um diesen ungehobelten Waldschrat zu kümmern, vielleicht tat sie es auch von sich aus. Die Frau brachte mir den Rest bei und schließlich stakste ich unsicher durch Sturmwind, bekleidet mit einem kompletten Smoking, dessen Knöpfe beim Einatmen immer wieder wie Gewehrkugeln wegschossen, denn ich habe nun mal einen breiten Brustkorb.

Schön und geschliffen reden, sich den allgemeinen Verhaltensnormen anzupassen, elegant zu gehen und Pardus zurück zu pfeifen, wenn er wieder mal an einer Dame schnupperte, die in einem Busch vermeintlich unauffällig defäkierte - denn Toiletten gibt es bis heute nicht im gar so kultivierten Sturmwind.

Die Jahre vergingen, die Schurkin auch und aus dem Holzfäller Waldmeister wurde ein akzeptierter Gefährte, der rasch stärker wurde und einen Großteil seiner Talente seinem treuen Kater schenkte – der wiederum aufgrund seiner Schläue und Kampfkraft ein Liebling der Gilde wurde.

Der erste Schock. Eine mietbare Stadtelfe brachte mir bei, in den Himmelbetten der Menschen zu schlafen, obwohl mir diese an sich viel zu weich und zu kurz waren. Kaum war sie eingeschlafen, schlich ich mich runter auf den Hauptplatz und schlief dort einfach in einem Gebüsch, so wie ich es gewohnt war. Und ich wachte auf, als mir ein völlig besoffener Mensch über die Brust spie! Einer, mit dem ich mich abends zuvor noch unterhalten hatte – so wie die Menschen es tun, so schön gepflegt und artig, mit all den wunderbaren Fremdwörtern. Und genau der erbrach sich über mich, weil er nicht mehr Herr seiner Sinne war…! Aufspringen, die torkelnde Gestalt wegschubsen und abtauchen in die Kanäle von Sturmwind, die ich bislang noch nicht kannte.

Der zweite Schock. Vordergründig klares Wasser. Aber die eklige Schmiere am Boden, teilweise schon fast zu Sediment geworden, was war das? Ich kroch raus und roch zwar anders, aber sicher nicht besser als zuvor. Einige Meter neben meiner Rauskriechstelle hockte jemand am Kanalrand mit heruntergelassenen Hosen und mir wurde einiges klar. Erst der Kristallsee machte mich dann sauber.

Das Erwachen aus einem Traum. Ich kam eines abends aus den Pestländen zurück nach Sturmwind, dreckig, müde, verschwitzt und am Ende meiner Kräfte. Die Hauptplatzsteher musterten mich von oben bis unten, Gesprächspartner von gestern sahen zufällig gerade woanders hin, ich grüßte und merkte, dass ihnen mein Gruß peinlich war… war ich aus Versehen in der falschen Stadt? Sehr irritiert lagerte ich mein Zeug ein, ritt zum Kristallsee, waschen, Smoking, rein nach Sturmwind – und ein freudiges Hallo! Ein Hallo von denen, die nie in der Natur dreckig wurden, die von sich aus immer mehr stanken und mit immer mehr Parfüm diesen Mief überspülten. Den Gestank ihrer Seelen bekamen sie damit nicht weg.

Natürlich, ich grüßte freundlich zurück, ich grüßte mein Saubersmokingschönsprechengrüßen, doch meine Augen blieben diesmal kalt. Gewaschen, in schöner Kleidung und ich war wieder einer von ihnen. Nein – einer von denen und das wurde mir in diesem Moment klar. Sie versuchten mich in ihr Plaudern einzubeziehen, klar doch, ich war ja nun wieder einer von ihnen, ein Stadtelf, humorvoll, eloquent, charmant und gebildet. Nur die allernötigsten Antworten gab ich, aus angelernter Höflichkeit, eine Art gnom’scher Automatik… und ebenso wie deren technische Spielereien knapp davor, ohne irgendeinem Grund zu explodieren!

Ich zersprang nicht krachend am Hauptplatz, so wohlerzogen war ich ja leider. Ich flog-fuhr-ritt zurück, heim nach Darnassus, dann weiter nach Dolanaar, um mit meinem Freund Keldas zu reden, dem Tiertrainer von damals, den ich schon ewig lange nicht mehr gesehen hatte. Ich hatte ja nicht daran gedacht, aber als er mit dem Finger auf mich zeigte und sein schallendes Gelächter über das Dorf schwirrte, wusste ich worum es ging: Ich stand noch immer im Smoking vor ihm! In meinem lächerlichen Sauberschönsprechen-Smoking, der in diese Umgebung passte wie ein Untoter in den Mondtempel von Darnassus!

Ich stand in der Uniform der Schönsprecher vor meinem alten Freund aus dem Wald und ich schämte mich zutiefst dafür. Keldas machte es mir leicht, er striegelte und versorgte meinen Kater, während ich mich hinter einem Baum umzog. Umzog in eine unauffällige, abgetragene Kleidung und den Smoking ließ ich liegen, auf dass er dort verrotte.

Es wurde eine lange Nacht am Lagerfeuer und anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich an Keldas wieder zu gewöhnen. An seine schlichte, geradlinige und grade deshalb so treffsichere Art das Leben zu sehen, es zu beschreiben, es zu analysieren. Seine Sätze, seine Wortwahl, alles war so einfach, ohne Schnörkel, Umschreibungen und Verbrämungen. Er sagte mir, dass er erschrocken wäre, als anfangs dieses „geschniegelte Arschloch“ vor ihm stand und ich zuckte bei dieser Wortwahl zusammen… und erschrak danach gleich noch mal, dass ich wegen dieser offenen Worte zusammengezuckt war!

Was haben die in Sturmwind aus mir gemacht? Ich gebe nicht jener Schurkin die Schuld, denn vor allem ich wollte das ja selbst. Wollte ein Stadtelf werden, ein gern gesehener Gast in hochgestochen philosophierenden Gesprächsrunden, deren Themen sich meist im Nichts verloren – ein dressierte Tanzelf? Oft fragten mich Menschen, woher ich komme und ich hatte mir eine von allen anerkannte Geschichte zurecht gelegt, dass ich ein Zögling von sturmwinder Stadtelfen wäre, also hier richtig zuhause…

Ich schlief irgendwann am Lagerfeuer ein. Am nächsten Morgen briet ich mir ein paar Fische, Pardus bekam auch was davon, Keldas war mit einer ganz jungen Jägerin beschäftigt, also zog ich los, rauf zum Quellsee, um mit mir ins Reine zu kommen.

Traumkraut. Ich stopfte mir eine Pfeife mit dem grasähnlichen Zeug, das mir allemal lieber war als Alkohol, denn ich hatte dabei am nächsten Tag immer einen klaren Kopf und die selbe Anzahl an Gehirnzellen – soweit ich das abschätzen konnte. Ich angelte, doch ich fing fast nichts, denn das Blubbern der gegen den Haken kämpfenden Fische brachte mich derart zum Lachen, dass ich vergaß die Leine einzuziehen. Und eigentlich war ich froh darüber, dass sie den Kampf gewannen. Dabei fiel mir auf, wie lange ich schon nicht mehr gelacht hatte! Nicht das gedämpfte, kultivierte Stadtlachen, wo man genau weiß ab wo man es einzusetzen hatte. Nein, das hier war freies brüllendes Gelächter, wie man es bei uns im Dorf so oft hörte - und was uns auch vom meist eher ernstem Elfenvolk unterschied.

Mein Kater Pardus setzte in einigem Abstand von mir einen großen Haufen, räkelte sich danach wohlig und es ging ihm sichtlich gut. Bei mir war es auch an der Zeit, ich ging zu Pardus’ Werk, tat noch was drauf und Katze und Jäger verschmolzen einmal mehr zu einer Einheit. Defäkieren nannten das die Sturmwinder, wenn sie überhaupt jemals drüber sprachen. Pardus sah mich an und ich hatte den Eindruck, er grinste. Denn er kannte mich in dieser Haltung seit langem nur als verschämt hinter einem Baum hockend. Der Hinterwald regte sich in mir, in dem ich aufgewachsen war. Und er regte sich mit all seinen Empfindungen, seinen uralten Erinnerungen – und er regte sich mit seiner Sprache, mit meiner Sprache, deren ich mich so lange geschämt hatte, die ich verleugnet und verborgen gehalten hatte. Um zu gefallen. Um denen in Sturmwind zu gefallen. Um denen in Sturmwind zu gefallen, die in ihre eigenen Kanäle scheißen. Aber stilvoll gehüllt in edles Tuch...!

Eine weitere Pfeife Traumkraut und ich suche nach verschollenen Wörtern, nach meiner ureigenen Sprache, nach der Sprache des Hinterwalds. Imma mehr fällt ma' ein, ganze Sätze der Leut' da ob'n, fast ganze Gespräche mit den Echten. Mit denen, die si' net schämen für ihre Herkunft, die si' net anpassen an irgend a verlogene Scheiss-Stadt irgendwo auf an fremd'n Kontinent. I' möchte wieda so red'n wie z'haus, i' möcht' wieda i selba sein. Da Waldbub von ganz weit hinten, da kleine Jäger mit sein’ Kater, aus. I' möchte wieda so red'n wie daham – und i' werd's a moch'n!

Klar, als erstes fällt ma' mei' Gemeinschaft ein, der i mi' so sehr verbunden fühl und wo i so viele wunderbare Leut' kennen gelernt hab. Herrliche Lachsalven ham si' abgwexelt mit gefährlichen Abenteuern, wo i allein verloren gwes'n wär' wie a Schas im Wald. Oda wie a Furz im Forst, wie die in Sturmwind sagen täten, wenn’s das Wort überhaupt verwenden. „Licht und Schatten“ – wos bin i jetzt davon? Als Licht geh i nimma durch, weil herzeig'n kann man mi' nimma mehr, als ungehobelter Waldmensch. Aba a Schatten bin i deshalb a no net, denn i renn' als naturbelassener Jäger herum in der Sonn'. I steh auf und taumel runter zum Ufer vom Quellsee. Es is' eh kana do und wenn ana do war, wär's mir auch egal. Pardus steht neben mir, halb im Wasser und schaut mi' aufmerksam an…

„I bin i und des bleib i auch!“, plärr i übern See und der Kater zuckt kurz z’samm’, denn des hat er scho lang nimma ghört. „… i auch… auch…“, i hör a abg'fälschtes Echo und des macht ma’ Mut. „Und wer des net akzeptiert, der soll scheissen geh!“ schrei i glei danach und horch gespannt. „… soll scheissen geh… eissen geh… geh…“ I mag Echos, hab i des scho' g'sagt? Da is' ma' nie allein und es gibt Täla mit so viele Echos, dass ma' meint, ma' lärmt in eina Gruppe.

Dann mach i a Feuer und brat ma' an Fisch, an Barsch aus Feralas. I' friss was davon, geb' den Kater die Hälfte, trink a bisserl Mondbeerensaft und stopf ma' a neues Pfeiferl Traumkraut. Und i werd nachdenklich ---

Mei’ Gilde, meine Lichtschattner. Wos is, wenn die net versteh’n, wer i bin? Wer i jetzt bin, wer i wieda bin? Was wolln die? Den etwas knorrigen, aber wortgewandten Scharmör? Der is tot, do drüben treibt er grad, im Quellsee und er fangt scho an zu stinken. Oda nehmen’s den neu-alten Waldbuben auf? Aufnehma, so wie er is? Sein Karakta kennens ja, der hat si’ net geändert – aba sei Art zu reden, si zu benehmen… de is direkter gworden, härter. Und ehrlicher.

Gelehrte woll ma' sein. Wer is'n gelehrt? Wer bestimmt, wer gelehrt is und wer net? Wodurch wird ma' gelehrt? Durch eure Bücha in Sturmwind? Durch g'schraubtes Red'n? Durch stundenlanges Hirnwix'n über Themen weit ab der Wirklichkeit?

I denk grad an de Leut' von damals und viele fall'n ma ein. Vor allem de Meistarin Sarenna, de Unnahbar-Freundliche, de so a beschissen brutale Sau sein kann, wenn’s um die Gilde, um Gildenmitglieda oda echte Freunde geht. Is' zwar a Menschin, aba es sind ja net alles Kotritz'n.

Keina braucht zu glaub'n, dass i' da wem jetzt in Arsch kriech! I denk nun im Traumkraut nach und imma mehr Leut fallen mir ein, i' mag da gar kane Namen aufzählen. Gemeinsam mit vollen Hosen irgendwo steh, während sich ringsum allerlei Viecha die Fresslätzchen umbinden. Nachdenken, red’n, planen, wie komma aus diesa Scheisse wieda raus? Das verbindet. Bleibt de Verbindung auch mit’n wieda-echten Waldi? I' habs g'hofft und letztlich is' de Rechnung aufgangen.

Na jo, lange Zeit is' ja gut 'gangen mit'n hinterwäldlerisch Red'n. Und des bleibt a mei' Sprach', ka Frage. Aba manchmal is' halt net zu vameid'n, mi' wieda dem mir unangenehmen Sturmwindlerisch zu bediena', bevor i lang und mühsam erklär'n muss, vo' was i' übahaupt red'. Drum erzähl' i den Rest meina G'schicht wieda a bissl bessa vaständlich ---

Einer der Gründe für etwas normaleres Sprechen war auch, dass ich in Nagrand eine kluge, humorvolle Elfe kennenlernte, zu der ich mich sofort auf unerklärliche Weise hingezogen fühlte - Kelisha, eine Kriegerin. Hübsch, mutig und doch im richtigen Moment vorsichtig. Schon länger unbeweibt dachte ich mir, die stülpe ich mir demnächst drüber, wie man bei uns daheim in gewohnt rustikaler Manier sagen würde. Doch da war irgendwas, das mich davor abhielt, mich ihr mit einem schlichten "Komm Mädel, lang genug geredet, wir sind allein in freier Natur, also runter mit den Fetzen" unauffällig-charmant zu nähern. Verwirrt irrte ich Irrwege durch die Wälder und kannte mich selber nicht mehr.

Immer vertrauter wurden unsere Gespräche und ja, ich gewann Kelisha bald richtig lieb, aber das war nicht die Art von Liebhaben, an die ich ursprünglich dachte. Natürlich kam irgendwann auch das Thema Herkunft zur Sprache und ich erzählte ihr von meiner Mutter, die das gar rauhe und entbehrungsreiche Leben im versteckten Tal des Hinterwaldes nicht mehr aushielt und raus zog ins grössere und doch ein wenig kultiviertere Eschental. Und dann erzählte sie mir von ihrer Mutter, die ursprünglich aus einem hinteren Winkel des Elfenlandes kam, wo ihr das Leben eines Tages doch zu hart geworden war und die in Astranaar einen neuen Partner fand. Und zu allem Überfluss beschrieb Kelisha auch noch das Aussehen ihrer Mutter.

Es war auf einmal sehr still an jenem See in den Wäldern von Terrakor. Ich spürte, wie sie mich aus den Augenwinkeln her musterte und grinste sie schliesslich breit an. Gleich darauf fielen wir Halbgeschwister uns lachend in die Arme und alle Unsicherheit war mit einem Schlag verflogen. Schon in den nächsten Tagen stellte sie mir ihren Geliebten vor, Zephania, ebenfalls ein Elfenjäger wie ich. Fest entschlossen, den für Kehlis Wohlergehen in gewisser Weise verantwortlichen Halbbruder raushängen zu lassen kam ich zu diesem Treffen. Doch schon die ersten Worte liessen meine Bedenken verfliegen, ein Langohriger mit Stil, der ebenso gut lachen wie kämpfen konnte und bei dem ich meine Schwester in guten Händen wusste.


© by Lambert Fischer, März 2011